Du sollst von Dir erzählen, und es fühlt sich falsch an.
Alle sagen Dir, Du brauchst eine Geschichte. Deine Geschichte. Nur hast Du das Gefühl, Du hättest keine. Du hast ja nichts Besonderes erlebt, Du machst seit zwanzig Jahren einfach Deine Arbeit. Und die Leute, die ihre Geschichten erzählen, klingen für Dich oft nach Angebern.
Dann bist Du hier richtig. Denn beides stimmt nicht ganz: Du hast Geschichten, mehr als Dir lieb ist. Und ein guter Storyteller ist das Gegenteil von einem Angeber.
Storytelling lernen heißt nicht, sich eine spannendere Vergangenheit zuzulegen. Es heißt, aus dem, was Du ohnehin erlebst, die zwei Minuten herauszuschneiden, die jemand anderen etwas angehen. Das ist eine Fähigkeit, keine Begabung, und sie lässt sich üben wie Radfahren.
Weiter unten steht ein Werkzeug, in das Du eine Erfahrung aus Deinem Berufsalltag eintippst. Es baut Dir daraus den Bauplan Deiner Geschichte in vier Zeilen, sagt Dir, was noch fehlt, und Du kannst ihn Dir mit einem Klick herauskopieren.
Dazu bekommst Du meine fünf Schritte zum Storyteller und die Heldenreise für Deine Verkaufsseite, also das bekannteste Bauschema für längere Geschichten. Und eine Antwort auf die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird: Wie erzähle ich von mir, ohne mich selbst anzupreisen?

Ich bin Christian Költringer, seit 2008 im Online-Geschäft und seit 2016 lebe ich davon. Ich schreibe seit Jahren jede Woche einen Newsletter, und die Ausgaben mit einer Geschichte darin sind bis heute die, auf die mir die Leute antworten.
Werbe- oder Partnerlinks findest Du auf dieser Seite keine. An keinem einzigen Link hier verdiene ich etwas.
Stand: 3. Oktober 2026. Die Beispiele in diesem Beitrag stammen aus meinem eigenen Newsletter und meinem eigenen Alltag.
Was ich Dir hier zeige, ist Handwerk und keine Kunst. Du musst dafür nicht unterhaltsam sein, nicht extrovertiert und nicht geübt im Reden.
Das Wichtigste in 60 Sekunden
- Du brauchst keine Heldenreise, Du brauchst eine Szene. Ein Ort, ein Mensch, ein Satz, der fiel. Die großen Modelle sind für lange Texte gedacht, nicht für eine E-Mail an Deine Leser.
- Der Stoff liegt in Deinem Berufsalltag, nicht in Deiner Biografie. Die Kundin, die etwas Erstaunliches gesagt hat. Der Fehler, den Du zweimal gemacht hast. Das ist Material, und davon hast Du mehr als genug.
- Gutes Storytelling ist keine Angeberei, sondern das Gegenteil. Wer von einem Fehler erzählt, gibt nicht an. Und wer vom Kunden erzählt statt von sich, erst recht nicht.
- Jede Geschichte braucht eine Pointe. Ohne Punkt am Ende hat sie die Zeit aller verschwendet, auch wenn sie noch so schön erzählt war.
- Kürzen macht Geschichten besser. Die meisten lassen sich um rund ein Drittel kürzen und gewinnen dadurch.
- Erzählen schlägt Schreiben. Erzähl die Geschichte erst einem Menschen und schreib sie danach auf. Was beim Erzählen langweilt, langweilt im Text noch mehr.
- Du brauchst dafür kein Publikum. Deine erste Geschichte geht an die Leute, die schon bei Dir gekauft haben. Zwanzig Namen in einer Liste sind ein besserer Anfang als tausend Fremde.
- Eine Geschichte pro Woche sind über fünfzig im Jahr. Das ist ein Vorrat, aus dem Du jahrelang schöpfst, und niemand kann ihn Dir kopieren.
Warum Geschichten gerade jetzt zählen
Wir Menschen lieben Geschichten! Du liebst sie. Ich liebe sie. Wir alle lieben sie.
Aber nicht jeder ist gut darin, sie zu erzählen.
Daher ist es wichtig, ein guter Geschichtenerzähler (= Storyteller) zu sein, vor allem dann, wenn Du einen eigenen Online-Kurs erstellst oder ein eigenes Online-Business betreibst und Menschen, die Du noch nie zuvor gesehen hast, von Deiner Sache überzeugen möchtest.
Das Internet wird gerade von Inhalten überflutet, die von künstlicher Intelligenz erstellt werden. Tools wie ChatGPT ermöglichen es jedem, in Sekunden jegliche Art von Online-Inhalten zu erstellen und zu veröffentlichen.
Aber es gibt ein Problem: Die Leute HASSEN allgemeinen „KI-Content-Mischmasch“, der immer gleich klingt!
Aber die Leute LIEBEN emotionale Geschichten, die auf echten individuellen Erfahrungen, Erkenntnissen und Erlebnissen basieren, die nur ein Mensch aus Fleisch und Blut erleben kann.
Wenn Du Dich heute also maßgeblich vom einheitlichen „KI-Brei“ abheben möchtest, dann musst Du lernen, gute Geschichten zu erzählen.
Die gute Nachricht ist: Eine gute Geschichte zu erzählen ist eine Fähigkeit, NICHT etwas, womit man geboren wird.
Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass Prominente immer lustige, amüsante Geschichten zu erzählen haben? Immer einen Schmäh auf den Lippen.
Auch wenn es den Anschein hat, dass diese Geschichten aus dem Stegreif erzählt werden, werden sie in Wirklichkeit monatelang im Voraus getestet, verfeinert und geübt.
Nehmen wir den amerikanischen Komiker Chris Rock. Er braucht mindestens 6 Monate, um eine einstündige Stand-up-Show zu entwickeln. Aber wenn Chris dann auf der Bühne steht, ist er fehlerfrei.
Sechs Monate für eine Stunde. Das ist die ehrlichste Zahl in diesem Beitrag. Ein Berufskomiker feilt ein halbes Jahr an seinem Material. Dann darfst Du für Deine erste brauchbare Geschichte auch ein paar Anläufe brauchen.
Interessanter ist aber, wie er das macht. Vor einer Tournee tritt Rock vierzig- bis fünfzigmal in einem kleinen Club auf, vor rund fünfzig Leuten, mit Notizkarten in der Hand. Er liest ab, schaut ins Publikum und streicht, was nicht trägt. Erst was diesen Test übersteht, kommt auf die große Bühne.
Dasselbe Prinzip steckt in Schritt 5 weiter unten, und es kostet Dich keinen Club: Erzähl Deine Geschichte einem einzigen Menschen, bevor Du sie aufschreibst.
Wo Deine Geschichten liegen (und warum Du sie bisher übersehen hast)
Fangen wir mit dem an, was Du zuerst brauchst: dem Stoff. Für den Aufbau einer Geschichte gibt es fertige Formen, und eine davon zeige ich Dir weiter unten. Eine Form hilft aber erst, wenn Du etwas hast, das Du hineingießen kannst.
Und genau da hakt es bei den meisten: Sie glauben, sie hätten nichts.
Der Denkfehler liegt darin, dass Du nach einer Geschichte suchst statt nach einer Szene. Eine Geschichte klingt nach Lebenswerk, nach Wendepunkt, nach „und dann änderte sich alles“. Eine Szene ist etwas viel Kleineres: ein Ort, ein Mensch, ein Satz, der fiel.
Und Szenen hast Du. Nach so vielen Jahren in Deinem Beruf hast Du Tausende.
Die vier Fundorte
Wenn Du nicht weißt, wo Du anfangen sollst, dann such an diesen vier Stellen. Sie liefern bei fast jedem etwas.
| Fundort | Die Frage dazu | Was dabei herauskommt |
|---|---|---|
| Der wiederkehrende Satz | Welchen Satz hörst Du von Deinen Kunden immer wieder, fast wörtlich? | Eine Geschichte, in der sich Deine Leser sofort wiedererkennen, weil sie denselben Satz schon gedacht haben. |
| Der eigene Fehler | Was hast Du in Deinen ersten Berufsjahren falsch gemacht und heute abgestellt? | Die glaubwürdigste Art von Geschichte überhaupt. Wer über eigene Fehler spricht, gibt nicht an. |
| Die Überraschung | Wann hat Dich zuletzt jemand überrascht, mit einer Frage oder einer Reaktion? | Eine Szene mit eingebautem Spannungsbogen, weil der Leser dieselbe Überraschung noch einmal erlebt. |
| Das Außerhalb | Was ist Dir diese Woche begegnet, das mit Deinem Beruf gar nichts zu tun hat? | Der Umweg, den niemand kommen sieht. Zeitung, Urlaub, Tennisplatz, Nachbarn. |
Zum vierten Fundort ein Beispiel von mir, weil er der am meisten unterschätzte ist.
Eines Tages las ich in der Zeitung von einem Vorfall, bei dem eine Hausgehilfin 1926 mit zwei Kleinkindern von einem Bierwagen niedergefahren wurde. Sie opferte ihr Leben für jenes der beiden Kinder und wurde als Heldin gefeiert.
Ich erzählte die Geschichte in meinem Newsletter und leitete davon eine wichtige Lektion fürs Online-Geschäft ab. Sie lautete: Für langfristigen Erfolg musst Du Dich und Deinen eigenen Vorteil in die zweite Reihe stellen und Deine Kunden an die erste Stelle setzen.
Genauso, wie Margarethe (so hieß die Gehilfin) zuerst die Kinder geschützt hat und nicht sich selbst.
Diese E-Mail hatte eine außergewöhnlich hohe Öffnungsrate und wurde von einigen meiner Leser zur besten E-Mail gekürt, die sie je in einem Newsletter gelesen haben. Sie waren emotional berührt. Gefesselt. Konnten mitfühlen, mitleiden. UND, sie haben die Pointe verstanden.
Und damit Du das richtig einordnest: Gelobt wurde nicht ich, sondern eine Hausgehilfin, die vor über hundert Jahren zwei fremde Kinder aus einem Zimmer getragen hat. Ich habe sie nur erzählt. Darin liegt der ganze Trick.
Beachte, was diese Geschichte nicht ist: Sie handelt nicht von mir. Sie zeigt mich nicht als klug, erfolgreich oder vorbildlich. Ich habe sie in der Zeitung gelesen, so wie Du sie hättest lesen können. Meine ganze Leistung bestand darin, sie aufzuheben und die Verbindung zu ziehen.
Genau das ist Storytelling im Marketing. Nicht Dein Leben als Heldenepos, sondern eine Szene plus eine Verbindung.
Und wenn Du irgendwo von digitalem Storytelling liest: Das ist dasselbe Handwerk, nur für den Kanal, in dem Du es einsetzt. Eine E-Mail, eine Verkaufsseite, ein Video. Das Werkzeug wechselt, die Szene bleibt die gleiche.
Erzählen, ohne anzugeben
Das ist die Hürde, über die in keinem Storytelling-Ratgeber ein Wort steht, und bei meinen Lesern ist sie der häufigste Grund, es gar nicht erst zu versuchen.
Der Gedanke dahinter geht ungefähr so: Wer von sich erzählt, stellt sich in den Mittelpunkt. Und wer sich in den Mittelpunkt stellt, ist ein Angeber. Also lieber die Finger davon lassen und sachlich bleiben.
Dieser Gedanke ist nicht falsch. Er hat nur eine Bedingung, die im Internet wegfällt.
„Die Arbeit spricht für sich“ stimmt, solange jemand vor der Arbeit steht. In Deiner Werkstatt stimmt es: Da fährt einer mit der Hand über die Platte und sagt nichts mehr, und Du musst kein Wort sagen. In Deiner Praxis stimmt es auch, spätestens nach der zweiten Sitzung.
Im Internet steht niemand davor. Dort ist Deine Arbeit stumm. Wer online nichts erzählt, hat nicht Anstand, sondern Pech.
Und Angeberei und Storytelling sehen auch nur von außen ähnlich aus. Der Unterschied liegt darin, wer in der Geschichte gewinnt.
| Angeberei klingt so | Eine Geschichte klingt so |
|---|---|
| Ich habe schon über 500 Patienten geholfen. | Eine Patientin sagte mir nach der dritten Sitzung, sie habe das Üben zu Hause jedes Mal vergessen. Seitdem frage ich am Ende jeder Stunde anders. |
| Mit meiner Methode geht das viel schneller. | Zwei Jahre lang habe ich es anders gemacht und mich gewundert, warum so wenige dranbleiben. |
| Ich bin seit 25 Jahren Meister in meinem Fach. | In meinem ersten Jahr habe ich eine Platte falsch herum verleimt. Heute sehe ich diesen Fehler bei anderen sofort. |
Drei Regeln nehmen Dir die Hemmung zuverlässig:
- Erzähl vom Fehler, nicht vom Erfolg. Wer zugibt, etwas falsch gemacht zu haben, kann gar nicht angeben. Und Dein Leser steckt gerade in genau diesem Fehler.
- Mach den Kunden zum Helden, nicht Dich. Du bist in der Geschichte höchstens der, der die Tür aufgehalten hat. Das ist keine Bescheidenheitsübung, sondern wirkt besser.
- Zahlen statt Adjektive. „Ich bin gründlich“ ist Eigenlob. „Ich habe dreimal nachgemessen, weil mir die erste Zahl komisch vorkam“ ist eine Szene, und der Leser denkt sich den Rest selbst.
Kurzvideo: authentisch verkaufen, ohne aufdringlich zu wirken. Dieselbe Frage wie hier, nur fürs Verkaufen. Alles Wichtige daraus steht auch hier auf der Seite.
Du brauchst dafür keine Reichweite. Wenn Du jetzt denkst: schön und gut, aber mir hört ja niemand zu, dann schau in Deine Rechnungen. Jeder, der einmal bei Dir gekauft hat, kennt Deinen Namen und hat Dir vertraut. Zwanzig oder zweihundert Leute in einer Liste sind kein Publikum, aber sie sind ein Anfang, und zwar ein besserer als tausend Fremde.
Die erste Geschichte schickst Du an die, die Du schon kennst. Nicht an die Welt.
Und wenn Dir das Erzählen trotzdem unangenehm ist: Du musst nicht von Dir erzählen. Die Geschichte der Hausgehilfin weiter oben handelt von einer fremden Frau aus dem Jahr 1926. Zeitung, Nachbarschaft, Urlaub, ein Satz, den jemand im Zug gesagt hat: Das sind alles Geschichten, die funktionieren, ohne dass Du eine einzige Zeile über Dich selbst schreibst.
Der Story-Finder: aus Deiner Erfahrung wird eine Geschichte
Die Werkzeuge im Netz erzeugen Dir Geschichten. Dieses hier holt eine aus Dir heraus, die Du schon hast. Du beantwortest fünf Fragen, und es baut Dir daraus einen Bauplan in vier Zeilen und sagt Dir, was Deiner Szene noch fehlt. Egal, ob Du in einer Werkstatt, einer Praxis oder einem Büro arbeitest.
Story-Finder
Es gibt hier keine richtigen und keine falschen Antworten. Schreib so, wie Du es jemandem am Telefon erzählen würdest. Alles bleibt in Deinem Browser, nichts wird gespeichert und nichts verschickt.
1. Was ist passiert?
Ein einziger Vorgang, keine Zusammenfassung von drei Jahren. Zum Beispiel: Ein Kunde hat die fertige Treppe angeschaut und zuerst nach dem Geländer gefragt, nicht nach den Stufen.
2. Wer kommt darin vor?
Eine Person reicht. Kunde, Patientin, Lehrling, Kollege, Nachbar. Keine echten Namen, eine Rolle genügt.
3. Wo und wann war das?
Der Ort macht aus einer Behauptung eine Szene. „In meiner Werkstatt, an einem Montagmorgen“ ist besser als „neulich“.
4. Was hat Dich daran überrascht?
Der Moment, in dem Du gedacht hast: Oha. Wenn Dich nichts überrascht hat, ist es wahrscheinlich keine Geschichte, sondern ein Bericht.
5. Was soll Dein Leser daraus mitnehmen?
Die Pointe. Ein Rat, eine Warnung, eine Erkenntnis. Ein Satz reicht.
Wie Du in nur 5 Schritten ein guter Storyteller wirst...
Befolge einfach diese 5 Schritte und auch Du wirst bald Geschichten erzählen, die Deine Leser fesseln und in Deinen Bann ziehen.
Schritt 1: Entwickle Deine persönliche „Story-Toolbox“
Ich empfehle Dir dringend, Dir einen Ort zu schaffen, an dem Du alle Ideen für eine Geschichte sammelst, speicherst und aufschreibst.
- Ein Notizblock.
- Ein Word-Dokument.
- Ein Projektmanagementtool wie Trello.
Das Werkzeug selbst spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass Du alles festhältst.
Nur, wenn Du ein Erlebnis, eine Erfahrung oder eine Erkenntnis, die Du im Alltag oder Geschäft hast, aus Deinem Kopf auf Papier bringst, kannst Du daraus später eine Geschichte entwickeln und für Deine Zwecke nutzen.
Wenn ich in meine persönliche „Ideen-Nugget-Liste“ schaue, dann finde ich über 100 Themen, die ich sofort angehen könnte, wenn ich die Zeit dazu hätte. Ideen, die ich über Jahre angesammelt habe und jetzt alle darauf warten, in ein einträgliches Geschäft verwandelt zu werden.
Genauso mache ich es mit Geschichten, die ich für meine Blog-Beiträge, E-Mails und Produkte verwenden kann.
Wann immer ich unterwegs bin, spazieren gehe, mich mit Freunden treffe, schöne Orte bereise oder einfach nur ein gutes Buch oder die Tageszeitung am Wochenende lese: Sie sind überall, GESCHICHTEN!
Hier geht es also nicht immer darum, selbst Geschichten zu erleben oder zu erfinden, sondern die Augen und Ohren offen zu halten und auch von den spannenden Geschichten anderer zu erfahren.
- Letzten Donnerstag am Tennisplatz: Ein Kollege hat einen Heiratsantrag von seiner Freundin bekommen! Was für eine Story!
- Heuer beim Sommerurlaub in Tirol: Es kostet 4 €, um einen Blick in die Film-Praxis des Bergdoktors zu werfen! 4 EURO!
- Neulich in der Tageszeitung: Amazon hat 7 lange Jahre gebraucht, um den ersten Gewinn zu machen! Wie können da Leute, die sich ein Online-Geschäft aufbauen wollen, erwarten, aus dem Stand in den nächsten 30 Tagen einen Haufen Geld zu verdienen? Das ist verrückt!
Das alles ist perfektes „Material“, um daraus Learnings, Ratschläge und Warnungen für meine Leser abzuleiten und in spannende und lehrreiche Geschichten zu verpacken.
Beim dritten Beispiel steht die Lehre schon dabei, bei den ersten zwei noch nicht. Genau so sieht Material aus: Erst ist es nur eine Beobachtung. Die Lehre findest Du, indem Du eine einzige Frage daran stellst: Und was heißt das für den, der mir zuhört?
Beim Heiratsantrag könnte das heißen: Manchmal macht den ersten Schritt der, von dem man es nicht erwartet. Bei den vier Euro: Menschen zahlen für eine Geschichte, nicht für das Gebäude. Finde Deine eigene Antwort, dann hast Du Deine Geschichte. Fällt Dir keine ein, lass das Beispiel liegen.
Wirkungsvolle Geschichten können lustig, unterhaltsam oder ernst sein. Egal, welche Du also aufschnappst oder selbst erlebst, schreib sie in Deine Story-Toolbox. Erfinden ist nicht nötig und auch nicht ratsam, dazu weiter unten mehr.
Und wenn Du sie brauchst, dann nimmst Du sie heraus, erzählst sie und versuchst am Ende den Schwenk zu Deinem Business-Thema zu schlagen, ein Learning abzuleiten, einen Ratschlag mit auf den Weg zu geben oder vor einer Dummheit zu warnen.
Wie gesagt, die besten Geschichten hört, entwickelt und erlebt man, wenn man sich mit Freunden, Familie, Kollegen trifft und eine gute Zeit verbringt. Aber auch die Zeitung, Bücher und Blogs zu lesen, ist eine gute Idee.
Hab ein offenes Ohr für alles, es könnte die nächste große Story sein, die Deinem Business Flügel verleiht!
TIPP: Du kannst auch Apps wie whispermemos.com verwenden, um spontane Ideen für Geschichten in Dein Smartphone zu sprechen und ein vollständiges Transkript davon automatisch in Dein E-Mail-Postfach zu bekommen. Das läuft allerdings nur auf dem iPhone und der Apple Watch.
Mit einem Android-Handy nimmst Du die Idee einfach mit der Diktier- oder Sprachmemo-Funktion auf, die schon drauf ist. Das Transkript kommt dann nicht von allein, aber die Idee ist gesichert, und darauf kommt es an.
Schritt 2: Streiche das Unnötige
Wenn Du eine Idee aus Deiner Story-Toolbox nimmst, um daraus eine Geschichte zu entwickeln, ist es wichtig, unwichtige Dinge wegzulassen.
Viele Menschen tendieren dazu, übertrieben stark auszuschweifen, wenn sie voller Emotionen und Leidenschaft eine Geschichte erzählen.
Ich möchte Dir ein Beispiel geben. Wir alle haben schon einmal gehört, dass jemand eine Geschichte wie folgende erzählt hat:
„Ja, also, ich war im Urlaub auf Gran Canaria oder war es Ibiza? Mal sehen, ich glaube, es war Mallorca, aber die haben ja dann Alkoholverbot auf den Straßen eingeführt, also muss es doch Teneriffa gewesen sein...“
Und der Zuhörer denkt sich so: „Bitte lieber Gott, mach, dass ein Meteor durch das Dach kracht, damit ich dieser Geschichte entfliehen kann!“
Du solltest Dich in Deinen Geschichten nicht mit Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten befassen, die niemanden interessieren.
Wir leben in schnelllebigen Zeiten von Short-Videos, in denen sich Leute in einer Minute gefühlt 1.389 Videos von Katzenbabies reinziehen, während sie in der U-Bahn neben 30 anderen Leuten sitzen, die auch alle paralysiert auf ihr Smartphone starren.
Komm also schnell auf den Punkt. Niemand hat Zeit. Was willst Du uns sagen?
Manche Geschichten beginnen zwangsläufig mit ein wenig Hintergrundwissen, aber vieles von dem, was die Leute in ihren Geschichten erzählen, sollten sie am besten weglassen.
Nimm meine Geschichte von der Hausgehilfin und dem Bierwagen von oben. Ich könnte die Geschichte beginnen und sagen: „Wir schreiben das Jahr 1926. Die Zeiten waren gerade gut. Überall ertönte Musik und es wurde getanzt. Und stell Dir vor, in diesem Jahr wurde auch Marilyn Monroe geboren...“
STOPP! Niemanden interessiert das.
Eine gute Faustregel ist, mit Deiner Geschichte später anzufangen und früher aufzuhören. Woanders ist das Vorspiel vielleicht wichtig, bei guten Geschichten nicht.
Die meisten Geschichten können um 30 % gekürzt werden und das macht sie noch spannender.
Aber wir sind meistens nicht geübt darin, die richtigen, unwichtigen Stellen wegzulassen. Daher ist der beste Weg, um herauszufinden, was gestrichen werden soll und was den Weg in die Geschichte verdient, zuerst alles aufzuschreiben.
Die komplette Geschichte!
Und die gute Nachricht ist: Wir werden mit jeder Geschichte, die wir entwickeln und erzählen, besser und erfahrener.
Du brauchst vielleicht 5-6 Geschichten, um zu üben und ein Gefühl für die richtige Länge zu bekommen, aber wie alles im Leben ist auch Storytelling eine Frage der Übung.
Schritt 3: Was ist eigentlich der Punkt Deiner Geschichte?
Das scheint selbstverständlich zu sein, aber wie viele von uns haben schon einmal eine weitschweifige Geschichte erzählt und dann am Ende gesagt: „Jaja. So ist das.“
Das ist ein schlechtes Zeichen. Tu das nicht.
Jede gute Geschichte sollte also auch ein verständliches Ende haben, eine Pointe.
- Vielleicht ein Witz.
- Vielleicht eine Handlungsaufforderung.
- Vielleicht ein Ratschlag.
- Vielleicht eine Warnung.
Schreib dabei so, wie Du reden würdest. Der Test dafür ist einfach: Lies Deine Geschichte laut vor. Überall, wo Du beim Lesen stockst oder Luft holen musst, steht ein Satz, den Du so nie gesagt hättest. Den baust Du um, bis er Dir leicht von der Zunge geht.
Wie könnte man also den Punkt einer Geschichte formulieren? So zum Beispiel:
- Ich habe etwas wirklich Dummes getan.
- Er hat etwas wirklich Dummes getan.
- Das war saukomisch.
- Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten, so leid tat sie mir.
- Er hat etwas so Verrücktes gesagt, dass wir ihn alle nur angeschaut haben.
Manche Geschichten haben keinen Sinn. Und wenn eine Geschichte keinen Sinn hat, dann hat sie die Zeit aller verschwendet.
Es ist in Ordnung, eine Geschichte mit einer dummen Pointe zu erzählen, aber Du solltest keine Geschichte erzählen, die keine Pointe hat.
Schritt 4: Die Geschichte „perfektionieren“
Manche Menschen, die großartige Geschichten erzählen, denken sich diese einfach so aus und legen los.
Aber die meisten Menschen müssen üben, um wirklich gute Geschichten entwickeln, erzählen und schreiben zu können (inklusive mir).
Wie gehst Du also vor, wenn Du Deine Geschichte üben möchtest?
Gegenfrage: Wie übt ein Kind Rad fahren? Es steigt auf, fährt los, fällt hin, steigt wieder auf, fährt los, fällt hin, steigt wieder auf, ...
Genauso wirst Du zum „Meister des Storytellings“.
Wenn Du Geschichten in Textform üben möchtest, dann beginnst Du, viele Geschichten zu schreiben. Und dann liest Du Dir Deine Geschichten selbst durch und beginnst, unwichtige, ausschweifende Dinge zu streichen, Deine Pointe zu optimieren, einen klaren und verständlichen Schreibstil zu verwenden und schnell auf den Punkt zu kommen.
Wenn Du Geschichten in Videoform, zum Beispiel für Deinen YouTube-Kanal, erzählen möchtest, dann nimmst Du Dich zuvor zu Hause im stillen Kämmerlein auf, zum Beispiel mit Deinem Smartphone.
Und wenn Du Dich nicht filmen magst: Dann nimm nur den Ton auf. Jedes Handy kann das, und es gibt kein Bild, das Du Dir ansehen musst. Erzähl die Geschichte einmal laut in die Diktierfunktion und hör sie Dir beim Autofahren an. Das meiste, was schief liegt, hörst Du sofort, auch ohne Dich dabei zu sehen.
So schmerzhaft oder aufwendig das für Dich auch klingen mag, das ist die beste Möglichkeit, um Deine Geschichte als „Außenstehender“ zu hören und Dich zu verbessern.
Wenn Du Dir dann selbst zuschaust und zuhörst, frag Dich selbst:
- Ist das eine interessante Geschichte?
- Ist sie fesselnd?
- Hat sie eine Pointe?
- Ist sie zu lang?
Beobachte Dich auch im Spiegel.
- Stimmt Deine Körpersprache mit Deiner Botschaft überein?
- Wenn es sich um eine emotionale Geschichte handelt, zeigst Du das in Deinem Gesicht?
So kannst Du sicherstellen, dass Du visuell dieselbe Botschaft vermittelst wie Deine Geschichte und das ist wichtig.
Denk daran, dass es nicht nur auf die Worte ankommt, die Du verwendest. Bei Videos oder im persönlichen „1 zu 1“ geht es auch um Deine Körpersprache.
- Fuchtelst Du wild mit den Händen?
- Zappelst Du auf und ab wie ein Kasper?
All diese Dinge sind wichtig.
Schritt 5: Teste Deine Storytelling-Fähigkeiten *live*
Jetzt ist es an der Zeit, die Wirksamkeit Deiner Geschichten auf die Probe zu stellen. Und zwar, indem Du sie einer Person erzählst, auch dann, wenn Du „nur“ vorhast, schriftliche Geschichten zu erzählen.
Denn überleg mal... Wenn Deine Geschichte nicht gut ankommt, wenn Du sie live mit Worten jemandem erzählst, wie soll sie dann Leute begeistern, die Deine Story als Text, zum Beispiel auf Deiner Webseite, lesen?
Übe Deine Geschichten vor jemandem, dem Du vertraust, jemandem, der Dir auf jeden Fall zuhören wird. Und beobachte dann die Reaktionen dieser Person, während Du erzählst.
- Ist sie aufmerksam?
- Schaut sie verwirrt?
- Schaut sie auf die Uhr?
- Bekommt sie glasige Augen?
- Lacht sie?
- Stellt sie Fragen?
- Lehnt sie sich zurück, entspannt sie?
- Schweift ihr Blick oft ab?
Achte genau darauf, denn ein, zwei oder drei Personen reichen aus, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob Deine Geschichte gut ist oder nicht. Dann überarbeite sie: Kürze sie. Ergänze sie. Sprich langsamer.
Es gibt eine Million Möglichkeiten, was Du in Deinen Storys alles ändern und optimieren kannst. Aber mit der Übung wirst Du schnell herausfinden, welcher Typ von Geschichtenerzähler Du bist, wo Deine Schwächen und Stärken liegen und wie Du immer bessere Geschichten erzählen kannst.
TIPP: Frag nicht nach der Meinung anderer, ob es eine gute Geschichte war oder nicht. Die meisten Menschen, die Dir nahe stehen, werden Dir sagen, was Du hören willst. Sie werden sagen: „Ja, das war eine gute Geschichte, tschüss!“ Achte stattdessen auf ihre Körpersprache. Ihr Verhalten verrät alles, ohne Filter.
BONUS: Die Heldenreise beim Storytelling
Für wirklich gute Geschichten gibt es ein ganz bestimmtes Muster, das vor allem im Marketing eingesetzt wird. Dieses Muster nennt sich eine „Heldenreise“ und ich möchte Dir nun zeigen, wie Du es einsetzen kannst. Manche nennen das Ergebnis auch eine Heldengeschichte, gemeint ist dasselbe.
Ein Hinweis vorweg, damit Du Dich nicht überforderst: Die Heldenreise ist ein Modell für lange Texte. Für Deine Verkaufsseite ist sie goldwert. Für eine E-Mail an Deine Leser ist sie zu groß, da reicht die Szene aus dem Story-Finder weiter oben. Nimm das große Werkzeug also nur dann, wenn Du auch eine große Fläche zu füllen hast.
Hier habe ich versucht, eine typische Heldenreise grafisch darzustellen. Vielleicht fällt Dir etwas auf?
Auch in viele Hollywood Blockbustern mit Superhelden gibt es diese Heldenreise.
Am Beginn des Films ist alles heile Welt und alle leben glücklich und zufrieden. Doch dann passiert plötzlich etwas Schreckliches. Ein Bösewicht taucht auf, der die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Alle haben Angst, alle verfallen in Panik, die Welt ist schlecht.
Doch was ist das? Ein Superheld mit übermenschlichen Kräften. Er ist die einzige Chance, die Welt zu retten. Er begibt sich auf eine (Helden)reise und liefert sich einen erbitterten Kampf mit dem Bösewicht. Lange hat der Bösewicht die besseren Karten. Es scheint so, als ob er trotz aller Anstrengungen als Sieger vom Platz geht. Aber dann packt der Superheld eine Superwaffe aus, mit der der Bösewicht nicht gerechnet hat und gewinnt am Ende den Kampf. Und die Welt ist jetzt eine Bessere als zuvor, alle sind glücklich.
Wir Menschen lieben solche Geschichten!
Und nach dem gleichen Muster kannst (und solltest) Du auch die Geschichte in Deinem Marketing erzählen, zum Beispiel auf Deiner Verkaufsseite. Allerdings mit ein paar Anpassungen.
- Alles gut: Die Geschichte beginnt damit, dass die Dinge normal sind. Diesen Teil können wir meistens weglassen. Für jemanden, der auf Deiner Webseite landet, läuft nicht alles normal. Er hat ein Problem oder mehrere. Wir beginnen also am besten direkt mit den Schmerzpunkten Deiner Zielgruppe.
- Plötzliches Ereignis: Dann passiert etwas Schlimmes. Ein bestimmtes Ereignis. Ein großer Bösewicht taucht auf, die Dinge gehen schief. Und damit begibt sich der Held (= Dein potenzieller Kunde) auf eine Reise, auf der er versucht, die aufgetretenen Probleme zu lösen. Auf dieser Reise unternimmt er ein paar Dinge. Zum Beispiel recherchiert er auf Google oder fragt Freunde.
- Der Kampf: Und das führt zum Kampf. Und der erste Versuch, den der Held unternimmt, um die Herausforderungen zu überwinden, führt oft dazu, dass die Dinge noch schlimmer werden, als sie ohnehin schon waren. Vielleicht hört er auf den falschen Ratschlag oder kauft einen Kurs, der ihm nicht weiterhilft. Aber in diesem Teil beginnt der Held zu wachsen.
- Das Geheimnis: Es wird ein Geheimnis gelüftet oder ein weiser alter „Mentor“ kommt ins Spiel. Und das ist der Punkt, an dem der Held durch einen schwierigen Kampf geht. Aber das macht ihn immer noch stärker.
- Sieg über das Böse: Und als Ergebnis dieses Kampfes kommt es dann schließlich zu einem Durchbruch. In der Regel gibt es dann eine letzte Konfrontation mit dem „Endgegner“ und einen Sieg über die Probleme.
- Alles ist besser als zuvor: Und dann endet die Geschichte. Jetzt ist wieder alles gut und die Situation des Helden sogar noch besser als zuvor. Der Held kehrt von seiner Reise zurück, ist als Mensch gewachsen und führt jetzt ein besseres Leben. Juhuu!
Wie Du die Heldenreise schließlich erzählst
Es gibt mehrere Möglichkeiten, um die Heldenreise zu erzählen.
Die erste Möglichkeit, worüber Du schreiben kannst, ist, wie Du selbst die Geschichte erlebt hast.
Also nach dem Motto: „Schau her, das ist MIR passiert. Ich hatte mit diesem Problem zu kämpfen. Du kennst das ja vermutlich. Und ich habe dafür diese und jene Lösung gefunden und jetzt lebe ich ohne dieses Problem ein tolles Leben. Und meinen funktionierenden Weg möchte ich nun an Dich weitergeben.“
Das hat den Vorteil, dass sich Dein Leser mit Dir identifizieren kann, weil Du ja im Prinzip das gleiche erlebt hast, wie er selbst gerade. Du kennst seine Situation nur zu gut. Du bist ein ehemaliger Leidensgenosse und weißt, wie schwer er es gerade hat.
- Du verstehst sein Problem.
- Du weißt, wie er fühlt.
- Du kennst den Kampf, den er gerade führt.
- Er kann Dir also vertrauen.
Im Umkehrschluss ist es dann so: Wenn Du selbst keine persönliche Erfahrung mit dem Leserproblem gemacht und dieses selbst nie überwunden hast, dann hat er keinen Grund zu glauben, dass Du ihm helfen kannst, oder? Daher ist dieser Ansatz so effektiv.
Das heißt nicht, dass Du draußen bist, wenn Du das Problem nie selbst hattest. Viele, die etwas gut können, haben es von Anfang an gut gekonnt. Ein Schreinermeister hat nie mit schiefen Zapfen gekämpft, und eine Hebamme war vielleicht nie selbst schwanger.
Dann erzählst Du nicht Deine Geschichte, sondern die von jemandem, dem Du geholfen hast. Du warst dabei, als er es nicht konnte. Das reicht vollkommen, und zwar genau dafür ist die nächste Möglichkeit da.
Eine andere Möglichkeit ist, darüber zu sprechen, wie ein Kunde von Dir die Geschichte erlebt hat.
Du kannst also sagen: „Schau her, das hier ist Franz Maier, den ich gecoacht habe. Er ist mit dem Problem xy zu mir gekommen. Dann haben wir zusammengearbeitet und ich habe ihm geholfen, sein Problem zu lösen.“
Damit positionierst Du Dich selbst als Coach, Berater oder Experte und somit als jemand, der anderen hilft, ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen.
Ein typisches Beispiel dafür wäre ein Kurs, der anderen zeigt, wie man abnehmen kann. Und in der Geschichte stellst Du einen Kursteilnehmer vor und zeigst, wie er es mit Hilfe des Kurses geschafft hat, sein Wunschgewicht zu erreichen und zu halten.
So warst also nicht Du selbst in der Situation Deines Lesers, sondern ein Kunde von Dir, dem Du bereits geholfen hast. Und Du kannst eben sagen: „Schau mal, das ist mein Kunde, ein ganz normaler Typ wie Du und ich. Er war in Deiner Situation, aber jetzt ist er so, wie auch Du sein möchtest.“
Und so lieferst Du quasi den Beweis, dass Du Leuten, die jetzt in der gleichen Situation sind, wirklich helfen kannst.
Wenn Du echte Kundenfälle erzählst, gelten Regeln. Hol Dir vorher das Einverständnis, am besten schriftlich, und ändere alles, woran die Person erkennbar wäre: Alter, Ort, Beruf, Zeitpunkt.
In heilkundlichen, beratenden und rechtlichen Berufen ist das keine Höflichkeit, sondern Berufspflicht, und zwar auch dann, wenn die Person Dir mündlich zugestimmt hat. Im Zweifel erzählst Du den Fall so weit verfremdet, dass er auf ein Dutzend Leute passen würde.
Ich bin weder Anwalt noch Kammervertreter. Was für Deinen Beruf gilt, steht in Deiner Berufsordnung, und die kennt Deine Kammer besser als jeder Ratgeber.
Die dritte Möglichkeit besteht darin, sich in die Lage des aktuellen Lesers zu versetzen, also der Person, die Deine Geschichte jetzt gerade liest.
Sie erleben die Geschichte quasi gerade *live und in Farbe*, während sie Deine Worte lesen.
Beziehe Dich also direkt darauf, in welchem Teil der Geschichte Dein Leser sich gerade befindet und was konkret Du tun wirst, um ihm zu helfen, das Böse zu überwinden und den Sieg davonzutragen.
Du kannst also beispielsweise sagen: „Vermutlich geht es Dir gerade nicht so gut. Du kämpfst gerade mit dem Problem x und vielleicht bereitet Dir auch Problem y eine Menge Kopfschmerzen. Ich leide mit Dir, aber bin auch hier, um Dir zu helfen. Lass uns jetzt gemeinsam das hier machen, ich bin richtig gut darin und habe mich lange damit beschäftigt.“
Du fühlst Dich also in die Situation hinein, die Dein Leser gerade durchläuft, und zeigst ihm, dass Du ihn verstehst und dass er damit nicht alleine ist. Du schaffst eine gewisse Nähe und lädst ihn gleichzeitig ein, den Weg aus dieser Misere gemeinsam zu gehen.
Am Ende ist es immer der gleiche Handlungsbogen, auf Englisch die Storyline, und es ist wichtig, diesen zu verstehen:
- Wir wollen nicht direkt zum Sieg springen, ohne zuerst das Problem aufzubauen.
- Wir wollen nicht nur über den Kampf sprechen, ohne das Geheimnis zu erwähnen, das zum Sieg führt.
Überlege Dir also folgendes, wenn Du beginnst, die Heldenreise Deiner Kunden aufzubauen: Wo stehen sie jetzt in dieser Geschichte und wie wird sie sich für sie entfalten?
Und wenn Du ein klares Bild davon hast, wie diese Geschichte aussieht, dann kannst Du sie quasi überall erzählen:
- Auf Deiner Verkaufsseite.
- In einem YouTube-Video.
- In Blog-Beiträgen.
- In E-Mails.
- Auf Social Media.
Welche Geschichte wohin gehört
Nicht jede Geschichte passt an jede Stelle. Die Länge entscheidet, und die Länge hängt davon ab, wie viel Geduld Dein Leser gerade hat.
Überlegst Du noch, worüber Dein Kurs gehen soll? Dann hilft derselbe Blick. Die Themen, zu denen Du Geschichten hast, sind meistens auch die, über die Du unterrichten solltest.
| Wo | Wie lang | Welche Art |
|---|---|---|
| In einer E-Mail | 150 bis 300 Wörter | Eine einzelne Szene mit Pointe. Keine Heldenreise, kein Rückblick auf zehn Jahre. |
| Auf der Verkaufsseite | 400 bis 800 Wörter | Die Heldenreise, mit Deinem Kunden als Held. Hier lohnt sich das große Modell. |
| Im Blog-Beitrag | 100 bis 200 Wörter | Eine Szene als Einstieg, danach die Sachinformation. Die Geschichte öffnet die Tür, sie ist nicht das Zimmer. |
| Im Kurzvideo | unter 60 Sekunden | Ein einziger Moment, eine Pointe. Alles andere passt nicht hinein. |
| Im Gespräch | unter zwei Minuten | Dieselbe Szene wie in der E-Mail. Was hier langweilt, langweilt überall. |
Kurzvideo: drei Fragen, mit denen Du Dein eigenes Material findest. Dieselbe Denkweise, mit der Du auch nach Geschichten suchst. Alles Wichtige daraus steht auch hier auf der Seite.
Für wen sich der Aufwand nicht lohnt
Drei Fälle, in denen Du Dir die Mühe sparen kannst.
- Du hast noch kein Angebot. Eine Geschichte führt irgendwohin. Wenn am Ende nichts steht, auf das sie zuläuft, ist sie nur nett. Dann klär zuerst, was Du überhaupt verkaufst, und wo Du es anbietest.
- Du verkaufst rein technische Leistungen an Einkäufer. Wer eine Ausschreibung bearbeitet, vergleicht Spezifikationen und Preise. Da hilft eine Geschichte wenig, und eine saubere Tabelle hilft viel.
- Du willst niemanden an Dich binden. Storytelling baut Nähe auf. Wenn Du bewusst Distanz halten möchtest, ist es das falsche Werkzeug, und das ist eine völlig legitime Entscheidung.
Fünf Übungen für die nächsten fünf Tage
Geschichtenerzählen lernt man durch Übungen, nicht durch Lesen. Hier sind fünf, eine pro Werktag. Zusammen ergeben sie Deine erste fertige Geschichte.
| Tag | Was Du machst | Ergebnis |
|---|---|---|
| Montag | Leg Deine Story-Toolbox an. Ein Dokument, ein Notizbuch, egal. Schreib die ersten drei Szenen hinein, die Dir einfallen. | Du hast einen Ort, an den das Material wandert. |
| Dienstag | Nimm die beste der drei und schick sie durch den Story-Finder weiter oben. | Du weißt, was Deiner Szene fehlt. |
| Mittwoch | Schreib sie vollständig auf, ohne zu feilen. Auch das Überflüssige. | Eine Rohfassung, die zu lang ist. Genau so soll sie sein. |
| Donnerstag | Streich ein Drittel. Fang später an, hör früher auf. | Eine Geschichte, die trägt. |
| Freitag | Erzähl sie einem Menschen und schau ihm dabei ins Gesicht. Am besten einem Kunden, den Du gut kennst, oder einem Kollegen aus einem anderen Fach. Nicht Deiner Frau: Die ist zu nett zu Dir. Und keinem Angestellten: Der widerspricht seinem Chef nicht. | Du weißt, ob sie wirkt, bevor sie jemand liest. |
Und wenn die erste Geschichte steht?
Dann beginnt der Teil, der tatsächlich Arbeit macht. Wie Du aus Deinem Wissen einen Kurs machst, den jemand kauft, schicke ich Dir in einer kostenlosen E-Mail-Serie. Am Ende steht ein Angebot von mir.
Du gibst nur Deine E-Mail-Adresse an. Ich gebe sie nicht weiter, und abmelden kannst Du Dich mit einem Klick.
Fazit: So wirst Du ein grandioser Storyteller
Das Schöne daran, das Geschichtenerzählen zu üben, ist, dass es im Vorfeld ein wenig Zeit in Anspruch nimmt, sich aber für immer auszahlt.
Stell Dir vor, Du entwickelst und erzählst nur einmal pro Woche eine Geschichte. Am Ende des Jahres wirst Du über 50 großartige Geschichten haben, die Du bei Bedarf jederzeit aus der Tasche ziehen kannst (und solltest).
Gute Geschichten sind so wichtig. Im Marketing. Im Leben. Überall.
Gerade im Internet, wenn zum Beispiel eine fremde Person auf Deine Webseite kommt oder ein Video von Dir aufruft, dann hast Du nur ein kleines Zeitfenster, um die Person zu überzeugen (oder für immer zu verlieren).
Und was ist authentischer und überzeugender, als wenn die Leute von einer Geschichte erfahren, die sie noch nie zuvor gehört haben: von DEINER Geschichte?
Wenn Du nach all dem nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Du musst Dir nichts ausdenken. Das Material liegt in Deinem Berufsalltag, und es ist mehr wert als alles, was eine KI je erfinden könnte. Du musst es nur aufheben, bevor Du es vergisst.
Oben haben wir von einer Pointe gesprochen. Hier ist sie für diesen Artikel.
Ich habe einen Online-Kurs namens From Zero to Fans entwickelt, in dem ich Dir zeige, wie Du Dir durch die Erstellung echter, authentischer und menschlicher Geschichten ein eigenes Publikum von engagierten Fans aufbaust.
Welche Geschichte aus Deinem Berufsalltag fällt Dir gerade ein? Erzähl sie heute noch einem Menschen, so wie es oben in Schritt 5 steht, und schreib sie mir danach in die Kommentare. Ich lese jeden einzelnen.
Häufige Fragen zum Storytelling
Kann man Storytelling wirklich lernen, oder muss man dafür geboren sein?
Man kann es lernen, und zwar wie jedes Handwerk. Der Beleg dafür sind die Profis: Der Komiker Chris Rock braucht rund sechs Monate für eine einstündige Show und tritt vorher vierzig- bis fünfzigmal in einem kleinen Club auf, um sein Material zu testen. Was auf der Bühne mühelos wirkt, ist geübt. Du brauchst erfahrungsgemäß fünf bis sechs Geschichten, bis Du ein Gefühl für die richtige Länge bekommst.
Ich habe nichts Besonderes erlebt. Woher nehme ich meine Geschichten?
Aus Deinem Berufsalltag, nicht aus Deiner Biografie. Vier Fundorte liefern bei fast jedem etwas. Erstens der Satz, den Deine Kunden immer wieder sagen. Zweitens ein eigener Fehler aus den ersten Berufsjahren. Drittens eine Überraschung, die Dir jemand bereitet hat. Und viertens alles, was Dir außerhalb Deines Berufs begegnet, von der Zeitung bis zum Urlaub.
Du suchst keine Lebensgeschichte, sondern eine Szene: ein Ort, ein Mensch, ein Satz, der fiel.
Wie erzähle ich von mir, ohne wie ein Angeber zu klingen?
Indem Du drei Regeln befolgst: Erzähl vom Fehler statt vom Erfolg, mach Deinen Kunden zum Helden statt Dich selbst, und nenne konkrete Handlungen statt Eigenschaftswörter. „Ich habe dreimal nachgemessen, weil mir die erste Zahl komisch vorkam“ wirkt stärker als „Ich bin gründlich“.
Und wenn Dir das Erzählen über Dich selbst trotzdem unangenehm ist: Die wirksamsten Geschichten handeln oft von völlig fremden Menschen.
Wie lang soll eine Geschichte im Marketing sein?
Das hängt vom Ort ab. In einer E-Mail sind 150 bis 300 Wörter eine gute Länge, auf einer Verkaufsseite 400 bis 800, als Einstieg in einen Blog-Beitrag 100 bis 200, in einem Kurzvideo unter einer Minute. Als Faustregel gilt: Die meisten Geschichten lassen sich um rund 30 Prozent kürzen und gewinnen dadurch. Fang später an und hör früher auf.
Brauche ich die Heldenreise für jede Geschichte?
Nein, und das ist der häufigste Fehler. Die Heldenreise ist ein Modell für lange Texte und auf einer Verkaufsseite sehr nützlich. Für eine E-Mail an Deine Leser ist sie zu groß. Dort reicht eine einzelne Szene mit einer Pointe. Nimm das große Werkzeug nur, wenn Du auch eine große Fläche zu füllen hast.
Was unterscheidet einen Storyteller im Marketing von einem Texter?
Ein Texter schreibt Texte, die verkaufen, oft für fremde Auftraggeber und über Themen, die er selbst nicht erlebt hat. Ein Storyteller im Marketing erzählt die eigenen Erfahrungen so, dass sie zu einem Angebot führen. Der Unterschied liegt im Material: Ein guter Texter kann Handwerk ersetzen, aber keine echte Erfahrung.
Genau deshalb ist Storytelling der Teil Deines Marketings, den Dir niemand abnehmen und keine KI erfinden kann.
Muss meine Geschichte wahr sein?
Ja. Eine erfundene Anekdote ist das größte Risiko, das Du eingehen kannst, weil sie Deine gesamte Glaubwürdigkeit mitnimmt, wenn sie auffliegt. Du darfst Namen ändern, Details weglassen und zwei ähnliche Fälle zu einem zusammenziehen, solange die Aussage stimmt. Erfinden darfst Du nicht.
Und das brauchst Du auch nicht: Nach zwanzig Berufsjahren hast Du mehr echtes Material, als Du je verbrauchen wirst.
Wie oft soll ich eine Geschichte erzählen?
Einmal pro Woche reicht völlig. Nach einem Jahr hast Du über 50 Geschichten beisammen, aus denen Du jederzeit schöpfen kannst. Wichtiger als die Menge ist, dass Du den Fundus anlegst: Schreib jede Szene sofort auf, wenn sie Dir begegnet, sonst ist sie bis zum Abend weg.

