Christine schrieb mir im Januar eine Nachricht auf LinkedIn.
Sie hatte mich auf YouTube entdeckt, dort ein paar meiner Videos gesehen, mich dann gezielt auf LinkedIn gesucht und angeschrieben.

Nach unserem Gespräch buchte sie eine bezahlte Beratung bei mir.

Ich hatte ihr nie einen "Jetzt kaufen"-Button vor das Gesicht gehalten. Ich hatte keine Ads geschaltet, keine Launch-Kampagne gefahren, keinen Funnel auf sie losgelassen.
Ich hatte einfach 100 Tage lang jeden Tag ein Video hochgeladen.
Das ist die vielleicht wichtigste Lektion aus diesen 100 Tagen: Du brauchst keine Million Follower. Du brauchst die richtigen Leute, die Dich ernst nehmen.
In diesem Erfahrungsbericht zeige ich Dir:
- Was die 100 Videos konkret an Leads und Kunden gebracht haben (inklusive der Zahlen pro Plattform).
- Wie ich das operativ umgesetzt habe, ohne daran zu verzweifeln.
- Was ich heute anders machen würde.
Los geht's.
Die wichtigsten Zahlen zuerst
Im Zeitraum vom 16. Oktober 2025 bis zum 25. Januar 2026 habe ich jeden einzelnen Tag ein neues Video auf YouTube, TikTok, Instagram und LinkedIn hochgeladen.
Primär YouTube Shorts, also Kurzvideos bis maximal 3 Minuten.
Hier das Ergebnis in einfachen Worten:
- 2 zahlende Kunden direkt aus den Videos (einer davon mit einem 6-Monats-Coaching-Vertrag).
- 290 neue Leads in meinem E-Mail-Verteiler, die "YouTube" als Quelle angegeben haben.
- 3.152 Zuschauer pro Monat auf YouTube, 68 neue Abonnenten.
- 41.000 Video-Aufrufe auf TikTok (dort bei null gestartet).
- 6.879 Impressionen für Videos auf LinkedIn.
- 0 Likes, die mir nachts fast den Schlaf geraubt haben.
Und das Wichtigste: ein überwundener Perfektionismus, den ich jahrelang vor mir hergeschoben hatte.
Nun aber der Reihe nach.
Warum ich das überhaupt gemacht habe
Ich habe gemerkt, dass sich vor diesem Experiment der Perfektionismus wieder bei mir eingeschlichen hat. Das ist eine Tendenz, die ich schon immer hatte.
Mit dem Aufkommen der KI-Tools habe ich teilweise den (gesunden) Rahmen dessen verloren, worüber ich eigentlich sprechen möchte.
Ich verbrachte plötzlich mehr Zeit damit, mir Hunderte Seiten mit Notizen, Sprachmemos und Unterhaltungen mit ChatGPT anzulegen, als tatsächlich etwas auf die Straße zu bringen.
Ich hatte ein Sammelsurium an Inhalten, die ich einfach nie veröffentlichte.
Ständig kreisten Fragen in meinem Kopf:
- "Soll ich ein neues Business dazu starten?"
- "Soll ich dazu ein Buch schreiben und auf Amazon hochladen?"
- "Wie verwandle ich diese Idee in etwas, das wertvoll genug ist, um veröffentlicht zu werden?"
An dieser Stelle kam ich immer wieder ins Stocken.
Eine Zeit lang habe ich Texter engagiert, die mir dabei helfen sollten.
Das Ergebnis: Ich habe gute Texter bezahlt, um Texte zu produzieren, die sich nicht nach mir angefühlt haben.
Gut gemeint, schlecht gelöst.
Am Ende muss ich wohl doch meinen eigenen Perfektionismus überwinden, denn den kann mir niemand abnehmen.
Also habe ich mir gesagt: "Was wäre, wenn ich diese Sachen einfach so veröffentliche, wie sie sind, so unvollkommen sie auch sein mögen?"
Das Experiment war geboren.
Ausblenden. Tun. Korrigieren.
Was ich operativ konkret gemacht habe
Ich weiß nicht mehr, wer das gesagt hat, aber der Spruch hat mir gefallen: "Zähle nicht Deine Likes, sondern die Anzahl Deiner Uploads!"
Genau darum ging es mir: Möglichst viele Videos hochzuladen, auch dann, wenn sie unperfekt waren, wenn ich mich versprochen habe, der Hintergrund nicht hochglanzpoliert war und meine Frisur nicht saß.
Aber die Botschaften darin waren wertvoll.
Mein operatives Setup war bewusst simpel:
- Themenquelle: meine Support-Datenbank. Ich habe einfach alle Fragen genommen, die mir meine Leser über die Jahre gestellt haben, alle Probleme, von denen sie mir berichtet haben. Jede Frage = ein Video. That's it. Keine Keyword-Recherche, keine Content-Strategie-Matrix, keine Trend-Analyse.
- Format: fast ausschließlich YouTube Shorts. Maximal 3 Minuten. Ein Gedanke pro Video. Kein Skript im klassischen Sinn, nur ein Stichpunkt auf einem Zettel.
- Produktion: Kamera an, reden, Kamera aus. Keine aufwendigen Schnitte, keine fancy Thumbnails, keine "Hook-Engineering"-Rituale. Meine Tochter Helena hat mich an einem dieser Abende gefragt, warum ich jetzt schon wieder vor der Kamera sitze. Meine Antwort: "Papa übt." 🙂
- Verteilung auf alle vier Plattformen gleichzeitig. Ein Video einmal produzieren, viermal hochladen. Alles andere wäre mir zu aufwendig gewesen und hätte mich wieder in den Perfektionismus-Sog gezogen.
- Ein einziger Call-to-Action. Am Ende jedes Videos: "Abonniere jetzt auf 365digital.de meinen Newsletter, um xy zu erreichen." Keine Likes, keine Follower, keine Abos. Nur Leads und Kunden.
Das war's. Keine Raketenwissenschaft. Und genau das ist der Punkt.
Wenn Du gerade erst mit YouTube Shorts, TikTok oder Reels startest, ist mein Rat: Vergiss erstmal all die Spielregeln, Hooks, Tricks und Hacks.
Starte einfach und veröffentliche Deine ersten 10, 30 oder gar 100 Videos.
Das Handwerk kommt durch Wiederholung und nicht durch das 17. YouTube-Guru-Tutorial.
Die Plattform-Ergebnisse im Detail
YouTube - der klare Gewinner
Auf YouTube bin ich nicht bei null gestartet, war aber das Jahr vor der Challenge ziemlich inaktiv.
Im Zeitraum der Challenge hatte ich 3.152 Zuschauer pro Monat. 68 neue Abonnenten habe ich neu dazu gewonnen.

Auf den ersten Blick: nicht besonders beeindruckend.
Aber abseits der Eitelkeitsmetriken, auf die alle schauen, sind ein paar Dinge passiert, die mich (und meinen Geldbeutel) erfreuten.
Leute haben mir geschrieben, dass sie meine Videos mögen. Die Rechtschreibfehler verzeihe ich gerne. 🙂

Und es gab direkte Coaching-Anfragen, wie die von Jürgen, der mich gefragt hat, ob ich ihn in Sachen YouTube-Marketing begleiten und coachen würde.

Leute wollen also eine Dienstleistung von mir kaufen, die ich überhaupt nicht anbiete.
Und ich habe eine Ausnahme gemacht und begleite Jürgen nun über 6 Monate. 🙂

Meine Videos auf YouTube haben mir also direkt zahlende Kunden gebracht.
Aber was ist mit Leads?
Ich frage jede Person, die sich in meinen Verteiler einträgt, wie bzw. über welche Quelle sie denn auf mich gestoßen ist.
Und die Auswertung in diesem Zeitraum zeigt, dass immer mehr "YouTube" als den Ort angeben, über den sie auf meiner Webseite und in weiterer Folge in meinen Verteiler gelandet sind.

Ich bin ziemlich sicher, dass hier nicht jeder die Wahrheit sagt, aber das zeigt, dass YouTube auf jeden Fall eine verlässliche Quelle für kostenfreie Leads ist. 🙂
Darüber hinaus - die fortlaufende Aktivität auf YouTube hat positive "Nachwehen".
Mein Kanal wächst...

... aber es gibt bestimmt noch viel Luft nach oben.
Das bestätigen mir auch die "YouTube-Profis", die mich seit der Challenge ständig anschreiben und mir helfen wollen, mit YouTube richtig Geld zu verdienen. 🙂

Übrigens... hier ein paar meiner aktuell beliebtesten Shorts auf YouTube. 🙂
LinkedIn - klein, aber mit den richtigen Leuten
Mein LinkedIn-Konto habe ich schon sehr lange, daher hatte ich auch schon vor der Challenge über 3.000 Follower (aufgebaut allerdings über ein anderes Online-Projekt, das ich heute nicht mehr aktiv betreibe).

Meine Videos haben 6.879 Einblendungen (Impressionen) erreicht, wurden also im Prinzip 6.879 Leuten in ihren Feeds angezeigt (was nicht heißt, dass sich die Leute meine Videos auch angeschaut haben).

Hier ein paar Bemerkungen zu LinkedIn:
- LinkedIn ist sehr eigen.
- 99 % der Leute sind ausschließlich auf LinkedIn, um ihr Zeugs zu verkaufen.
- 99 % der Leute kommentieren die Beiträge anderer Leute rein zu eigenen Marketingzwecken.
- Videos sind bei Weitem NICHT das beliebteste Format auf LinkedIn (wenn ich mir Top-Performer anschaue, dann posten sie Text & Bild).
Aber genau dort habe ich die wertvollsten Neukontakte geknüpft. So wie Christine, deren Story diesen Bericht eröffnet hat.
TikTok - Reichweite, aber keine Kunden
Auf TikTok bin ich im Zuge dieser Challenge komplett bei null gestartet.
Ich habe in den 100 Tagen...
- 41.000 Video-Aufrufe
- 122 Profil-Aufrufe
- 148 Likes
- 8 Kommentare
... erzielt.

Und 45 Leute folgen mir jetzt auf TikTok und warten jeden Tag sehnsüchtig auf frischen "Stoff". 🙂

Ansonsten ist auf TikTok nichts weiter passiert, außer, dass ein paar Leute seltsame Kommentare abgegeben haben.

Und wenn Du jetzt sagst: "Siehst Du, Christian, genau wegen solcher Kommentare lade ich keine Videos hoch", dann sei Dir gesagt: Dann musst Du das Internet verlassen. Egal, wie gut der Job ist, den Du machst, Trolle wirst Du nie verhindern können. Nimm es mit Humor, so wie ich. Nicht Du hast ein Problem, sondern sie." 🙂
Instagram - schwach, aber ehrlich
6.586 mal wurden in den 100 Tagen meine Videos aufgerufen (Reels) und zwar zum überwiegenden Teil von "Nicht-Followern", also von Leuten, die noch nie zuvor von mir gehört haben.
Was wenig überraschend ist, denn auch auf Instagram bin ich im Oktober bei null gestartet.

Ehrlich gesagt habe ich auf Instagram die geringste Aktivität erzielt.
Kaum jemand hat meine Reels geliked, kommentiert oder mir sogar eine Nachricht geschickt.
Aber das liegt vermutlich daran, dass ich a) dort noch frisch bin und b) reine Reels (also Kurzvideos) zu wenig sind, um etwas bewirken zu können. Es braucht auch noch andere Formate.
Ich werde mit Instagram nicht so richtig warm (falls Du Instagram-Coach bist und mir jetzt helfen willst, dort erfolgreich zu sein: Kein Interesse! :-))
Was das Ganze im größeren Bild bedeutet
Wir leben im Zeitalter des KI-Schrotts.
Es gibt bereits KI-gesteuerte Content-Kanäle, die täglich Tausende von Videos produzieren, perfekt auf Engagement optimiert.
Mit dieser Maschine kann und will ich nicht konkurrieren.
Ich wollte nie ein "Online-Entertainer" werden. Ich möchte eine Art Lehrer sein.
Ich liebe es, Dinge zu lernen, und wenn ich etwas wirklich Wertvolles lerne, verspüre ich den Drang, es weiterzugeben.
Ich glaube, wir werden in den nächsten Jahren eine Trendwende sehen:
- YouTube & Co werden immer besser darin, KI-Schrott herauszufiltern.
- Die Leute haben die Nase voll von verblödendem Trash und suchen wieder echte, unperfekte, menschliche Inhalte.
Wer jetzt damit beginnt, echten menschlichen Content zu machen, baut sich ein Publikum auf, das klein, aber richtig ist. Keine viralen Hits. Keine Million Abos. Aber die richtigen 10, 100 oder 1.000 Leute, die Dich ernst nehmen.
Im Internet kann selbst eine kleine Gruppe riesig sein.
Fazit
100 Videos. 100 Tage.
Ein überwundener Perfektionismus, zwei zahlende Kunden und die Erkenntnis, dass mir die Algorithmen gestohlen bleiben können.
Das war das Experiment. Das war das Ergebnis. Das war es wert.
Ausblenden. Tun. Korrigieren. – manchmal reicht das vollkommen. 🙂
PS: Würde ich so eine Challenge noch einmal machen?
Ja. Ohne zu zögern.
Das Einzige, was ich anders machen würde: früher starten.
Die 100 Tage hätten auch schon vor zwei Jahren passieren können, wenn mein Perfektionismus nicht dazwischengefunkt hätte. 🙂
Was hält Dich davon ab, eine ähnliche Challenge zu starten?
PPS: Willst Du mich in meinen Videos *live* sehen, auch wenn meine Glatze manchmal im Sonnenlicht glänzt und meine Brille schief auf der Nase sitzt? 🙂
Dann folge mir jetzt auf den Kanälen, auf denen Du aktiv bist:


Hallo Christian, ich habe – damals auch u.a. inspiriert durch Deine eigene Challenge mit Shorts – Anfang des Jahres angefangen, Shorts und Reals 2x pro Woche bei YouTube, Instagram und Facebook zu posten und habe damit doch irgendwie ganz guten Erfolg = mehr Optins und teilweise darüber durch Follow-Ups weitere Verkäufe. Also ich bleibe dran, automatisiere und plane die Posts mit Publer – auch mit hilfreichen, automatisierten ersten Kommentaren (mit Links …) meinerseits – und sehe weiter, was sich entwickeln will :-).
Danke auch Dir für Deinen Impuls!
Hansmartin
Hallo Hansmartin,
danke für Dein Feedback!
Super, das freut mich zu hören. Dranbleiben wird eben belohnt. 🙂
Weiterhin viel Erfolg und wir hören uns!
Liebe Grüße,
Christian