Passende Nische finden: Die 3 Fragen, die Ruth aus der Endlosschleife geholt haben

Kennst Du das?

Du sitzt vor Google, tippst Dein Thema ein, schaust Dir an, was es schon gibt, hast drei neue Ideen bekommen, aber eine Stunde später bist Du frustriert und mit weniger Klarheit im Kopf als vorher.

Genau da stand Ruth.

Ruth ist Hypnosetherapeutin aus der Schweiz und betreibt seit 2011 ihre eigene Praxis. Sie möchte ihr Wissen digitalisieren und endlich online skalieren. Fachlich ist sie längst zu Hause in ihrem Thema und trotzdem kommt sie nicht weiter.

Sie sagt sich selbst ständig: "Ich denke nur an meine Mankos, anstatt an mein Business."

Aber sie ist vollkommen offen, was Themen betrifft und das hat zwei Seiten, eine gute und eine weniger gut.

Wenn Dir diese Situation bekannt vorkommt, dann ist dieser Beitrag (inklusive Audio-Interview mit Ruth) für Dich.

Ich habe Ruth in unserem Gespräch drei Fragen gestellt. Mitten im Gespräch sagte sie dann: "Das gefällt mir. Das werde ich machen."

Klicke jetzt auf Play, um Dir das Interview mit Ruth als Audio anzuhören.

Du liest lieber?

Das erfährst Du genau im folgenden Transkript des Interviews:

  • Die 3 Fragen, mit denen Du aus einem großen Thema eine echte Nische machst.
  • Warum sich nie ein hundertprozentiges Sicherheitsgefühl einstellen wird (und Du trotzdem starten sollst).
  • Wie eine perfekte Nische in einem einzigen Satz aussieht.
  • Warum ich Ruth von ihrer Podcast-Idee abgeraten habe.
  • Warum eine einzelne Webseite Dich organisch unsichtbar macht.
  • Ob Du KI bei der Nischensuche nutzen solltest.

Los geht’s!

Die Kurzfassung: Wie Du Deine Nische findest

Eine Nische entsteht nicht durch Nachdenken, sondern durch Zuspitzen.

Nimm Dein großes Thema und beantworte drei Fragen:

  1. Welches konkrete Problem löst Du? Nicht "Spiritualität", sondern einen Schmerzpunkt, nach dem Menschen tatsächlich suchen.
  2. Für welche Gruppe von Menschen genau? Nur Frauen. Nur Führungskräfte. Nur frisch Pensionierte. Ohne diese Eingrenzung bleibt die Nische zu groß.
  3. Welcher Wunsch oder welche Situation steht dahinter? Ein Idealbild, ein Rückschlag, ein Lebensabschnitt.

Eine perfekte Nische lässt sich danach in einem Satz sagen, zum Beispiel: "Ich helfe männlichen Unternehmern, ihren Bauch loszuwerden."

Und dann kommt der Teil, den die meisten überspringen: Du entscheidest Dich. Schreib drei Nischen auf einen Zettel, nimm eine davon und starte. Nach einem halben Jahr reflektierst Du, ob Du noch auf Kurs bist. Ein hundertprozentiges Sicherheitsgefühl wird sich dennoch nie einstellen.


Inhaltsverzeichnis

Wer ist Ruth?

Unser Gespräch begann mit einem Klassiker: Ruths Kopfhörer wollte nicht. Ich musste zweimal nachfragen, ob sie mich überhaupt noch hört. 🙂

Danach lief es umso besser.

Ruth kommt aus der Schweiz und führt seit 2011 eine Hypnosetherapiepraxis. Ihr Ziel: das, was sie offline mit ihren Kundinnen und Kunden macht, digitalisieren und als digitales Produkt anbieten.

Der Plan dahinter ist genau richtig: mit einem Infoprodukt als Basis beginnen und von dort aus ausweiten.

Ehrlich benennt sie auch, wo es hakt:

  • Digital ist sie nach eigener Aussage "noch nicht so auf der Höhe".
  • Sie hat schon Verschiedenes probiert.
  • Und sie muss manchmal an ihrem Mindset arbeiten, damit sie ein bisschen Freude an der Sache bekommt.

Alles völlig normal, aber ihr Hauptproblem lag woanders: "Mein Hauptproblem ist, meine Nische zu finden. Das ist ja voll schwierig."

Das eigentliche Problem: völlig offen zu sein

Meine erste Reaktion war ein "Jein".

Denn Ruth hat ihr Thema in Summe längst. Sie beschäftigt sich ein Leben lang mit Gedanken, mit dem Leben, mit Spiritualität, mit dem, was wir wirklich sind, mit dem Geist in uns.

Wie sie selbst sagt: "Bei mir geht es ums Leben. Das Leben leben lernen."

Die Hypnose ist dabei nur ein Werkzeug. Ihre eigene Beschreibung finde ich ausgezeichnet: "Hypnose ist ja auch nichts anderes als eine weitere Art und Möglichkeit, Glaubenssätze zu transformieren, um einen neuen Weg zu gehen."

Online will sie deshalb gar keine Hypnose anbieten. Wenn, dann Meditation — für sie ist das im Kern dasselbe.

Das Problem ist also nicht, dass Ruth kein Thema hat, das Problem ist, dass sie zu viel Thema hat.

Sie sagt es selbst: "Ich bin vollkommen offen, was Themen betrifft, aber das ist auch nicht nur gut. Das hat zwei Seiten."

Und sie hat vollkommen recht damit, denn völlige Offenheit fühlt sich nach Freiheit an, praktisch führt sie aber dazu, dass man nicht ins Tun kommt.

Ruth weiß auch genau, warum sie eine Nische braucht: "Weil das ist ja viel einfacher, zu den Leuten zu kommen, wenn man skalieren will. Wenn man wirklich jemanden anspricht mit etwas, womit die Leute etwas anfangen können, damit ich die richtige Zielgruppe habe."

Besser kann man den Sinn einer Nische nicht erklären.

"Ich denke nur an meine Mankos" — der häufigste Denkfehler

Ruth beschreibt eine Schleife, die ich von unglaublich vielen Menschen kenne.

Sie ist an dem Punkt, an dem sie googeln soll: Was gibt es schon zu meinem Thema?

Und dann passiert Folgendes:

  1. Sie recherchiert.
  2. Sie kommt vom Hundertsten ins Tausendste.
  3. Sie kauft irgendwelche Kurse.
  4. Sie merkt: "Oh, da habe ich noch ein Manko. Und da auch."

Ihre eigene Diagnose: "Ich denke nur an meine Mankos, anstatt an mein Business."

Das ist kein guter Weg.

Der zweite Teil derselben Schleife klingt so: "Dann finde ich ganz interessant, was es schon gibt. Und dann denke ich manchmal: Dann bin ich ja zu wenig gut, wenn die das schon können."

Und da muss ich deutlich werden: Das ist falsch. Das ist wieder das falsche Mindset-Thema, kein Marktproblem.

Im Gespräch habe ich es bei diesem einen Satz belassen, hier hole ich etwas weiter aus, weil der Gedanke so viele Menschen ausbremst:

Wenn Du recherchierst und bereits Anbieter, Bücher und Kurse zu Deinem Thema findest, dann ist das der Beweis, dass Menschen dafür Geld ausgeben. Das ist ein gutes Zeichen, kein schlechtes.

Du recherchierst den Markt, nicht Dich selbst.

Wer beim Recherchieren anfängt, sich mit anderen zu vergleichen, verwechselt zwei völlig verschiedene Arbeitsschritte und findet nie eine Nische, sondern nur immer neue Gründe, noch nicht anzufangen.

Übrigens: Ruth möchte ausdrücklich etwas anbieten, bei dem sie selbst noch dazulernt, wo sie vielleicht nur ein, zwei, drei Schritte voraus ist.

Das ist kein Mangel, sondern ein Vorteil. Wer zwei Schritte voraus ist, erinnert sich noch daran, wie sich Schritt eins angefühlt hat. Der Experte mit dreißig Jahren Abstand hat das längst vergessen. 🙂

Schritt 0: Die Ideen-Nuggets-Liste

Vor den drei Fragen steht noch ein Schritt. Den hat Ruth schon gemacht und Du solltest ihn auch machen.

Reflektiere Dein eigenes Leben, ohne groß nachzudenken.

Diese Fragen helfen Dir dabei:

  • Was habe ich schon alles gemacht?
  • In welchen Situationen war ich?
  • Wo habe ich selbst eine Lösung entwickelt?
  • Wo fragen mich andere Leute um Rat?
  • Wo helfe ich gerne?

Daraus entsteht das, was ich eine Ideen-Nuggets-Liste nenne.

Ganz wichtig dabei: Bewerte nichts.

Frag Dich in diesem Schritt nicht, ob das Sinn ergibt und nicht, ob Du damit Geld verdienen kannst, nicht, ob Du genug darüber weißt. Völlig frei von allem. Einfach alles aufschreiben.

Ruth hat das gemacht und sogar schon ein Buch geschrieben. Danach ist sie zurückgegangen und hat herausgearbeitet, was sie wirklich interessiert.

Übrig geblieben sind bei ihr vier Ansätze:

  • Endlich mich selbst leben.
  • Mich selbst leben ab 60.
  • Der Zweifler in mir.
  • Die Macht hinter den Gedanken.

Dazu kam später noch: Wann darfst Du endlich Du selbst sein?

Und ein Thema, das sie bereits gegoogelt hat, weil sie es für verbreitet hält: "Job top, privat Flop — für Freunde hast Du keine Zeit, im Job bist Du immer am Arbeiten."

Das ist eine hervorragende Ausgangslage.

Ruth hat allerdings einen Zweifel, den ich sehr gut verstehe: Ihr Thema ist tief. Es geht um das jenseitige Denken, um Seelendenken, um das Tiefe in uns. Und sie fragt sich, ob das nicht zu kompliziert ist.

"Es ist fast einfacher, etwas zum Anfassen zu bringen."

Genau dafür gibt es die nächsten drei Fragen.

Frage 1: Welches Problem löst Du?

Das ist der wichtigste Denkschritt überhaupt und er räumt Ruths Sorge, ihr Thema sei zu kompliziert, direkt aus.

Denke in Problemen und in Schmerzpunkten.

Denn Menschen wollen Problemlöser und das ist die ganze Logik dahinter: Leute haben Probleme und suchen nach Lösungen. Dafür ist das Internet da.

Sie tippen ihr Problem in ein Suchfeld, nicht ihr Lebensthema.

Also lautet die Frage an Ruth nicht "Was ist Dein Thema?", sondern: "Welche Probleme haben Menschen, denen Du mit Deinem Wissen helfen kannst?"

Aus "Spiritualität, das Leben, zu sich selbst finden" werden dann zum Beispiel:

  • Frisch pensioniert und plötzlich fehlt der Sinn.
  • Getrennt oder geschieden.
  • Der ständige Zweifel an den eigenen Entscheidungen.
  • "Job top, privat Flop".

Du reduzierst Dein übergeordnetes Thema auf Problemfälle und plötzlich ist das Abstrakte konkret. Niemand googelt "Seelendenken", aber was man in der Rente mit sich anfangen soll, ist eine Frage, die Menschen tatsächlich eintippen.

Ruths Reaktion darauf war allerdings sehr berechtigt: "Die Nischen sind mir zu wenig klein."

Und sie hat recht, deshalb gibt es Frage 2.

Frage 2: Für welche Gruppe von Menschen?

Ein Problem allein reicht in aller Regel nicht.

Wenn Du ein Nischenthema hast, musst Du Dich zusätzlich auf eine bestimmte Gruppe von Menschen fokussieren, zum Beispiel:

  • nur Frauen
  • nur Führungskräfte
  • nur Selbstständige
  • nur Menschen über 60

Warum?

Weil es sonst zu groß bleibt und was zu groß ist, spricht am Ende niemanden an.

  • "Was tun in der Rente" ist ein Thema.
  • "Was tun in der Rente für Frauen, die 40 Jahre lang Führungsverantwortung hatten" ist eine Nische.

Merkst Du den Unterschied?

Die zweite Formulierung trifft jemanden ins Herz, die erste rauscht vorbei.

Frage 3: Welcher Wunsch, welche Situation?

Es gibt neben Problem und Person noch eine dritte Ebene, auf der Du zuspitzen kannst. Sie hat zwei Ausprägungen.

  1. Der Wunsch. Wie sieht das Idealleben Deines Kunden aus? Wo will er hin?
  2. Die Situation. Ein spezieller Rückschlag. Ein bestimmter Lebensabschnitt. Ein Ereignis, das alles verändert hat.

Du kannst problemnischig arbeiten, personennischig, wunschspezifisch oder situationsspezifisch. Oder Du kombinierst.

Und jetzt der Satz, der Dir viel Zeit sparen wird: Die Ideenfindung ist etwas sehr Individuelles und sehr Persönliches.

Niemand da draußen kann Dir sagen: "Nimm das.", denn es muss zu Dir passen. Ich kann Dir die Fragen geben, aber die Antworten musst Du selbst finden.

Die perfekte Nische passt in einen Satz

Woran erkennst Du, dass Deine Nische sitzt?

Daran, dass Du sie in einem einzigen Satz sagen kannst und der Satz gleichzeitig aussortiert.

Ich kenne eine Unternehmerin, deren Headline auf ihrer Webseite lautet: "Ich helfe männlichen Unternehmern, ihren Bauch loszuwerden."

Schau Dir an, was dieser eine Satz leistet:

  • Du bist nur richtig, wenn Du Unternehmer bist.
  • Du bist nur richtig, wenn Du männlich bist.
  • Du bist nur richtig, wenn Du Deinen Bauch loswerden willst.

Drei Filter. Ein Satz. Jeder erkennt in Sekunden, ob er gemeint ist oder nicht. Das ist eine perfekte Nische.

Ruths Kommentar dazu war treffend: "Das ist die Schwierigkeit, obwohl es so einfach klingt."

Ja, genau deshalb machen es so wenige. 🙂

Warum Du nie hundertprozentige Sicherheit bekommst

Und jetzt kommt der Teil, an dem die meisten hängen bleiben, Ruth eingeschlossen.

Sie sagt selbst, dass sie merkt, wie sehr sie im Konflikt ist und noch mit sich am Arbeiten ist. Dazu kam, dass sie bis zum Vortag unseres Termins in den Ferien war und gar keine Zeit mehr hatte, sich noch einmal hineinzudenken.

Was jetzt fehlt, ist kein weiterer Gedanke. Was fehlt, ist ein Cut.

Also einmal einen Schnitt machen und mit einer Sache starten.

Warum das funktioniert: Ein Online-Geschäft ist eine Entwicklung.

Du startest mit Thema X und Nische X. Du beginnst darüber zu schreiben, zu recherchieren, eine Webseite aufzubauen. Und plötzlich merkst Du: Da gibt es noch etwas. Diese Richtung schlage ich lieber ein.

Das ist ein Prozess und genau so soll es sein.

Ruth hat mich daraufhin direkt gefragt, ob sie einfach mal etwas nehmen und von da aus weiterarbeiten soll.

Meine Antwort: Ja, unbedingt.

Denn die Alternative gibt es nicht: Es wird sich nie ein hundertprozentiges Sicherheitsgefühl einstellen, bei dem Du sagst: "Das ist es. Ich fühle mich hundertprozentig vorbereitet."

Deshalb die konkrete Anweisung:

  1. Am Schluss hast Du vielleicht drei Themen, drei Nischen auf dem Zettel.
  2. Du nimmst eine davon.
  3. Damit startest Du.
  4. Nach einem halben Jahr reflektierst Du: Bin ich noch auf Kurs? Macht mir das weiterhin Spaß? Oder möchte ich hier abbiegen, weil mir etwas anderes mehr Spaß macht?

Und das Beste daran: Im Prozess bekommst Du Erkenntnisse, die Du an Tag eins nicht hattest.

Du weißt an Tag eins schlicht nicht, was passieren wird. Das ist generell so, im Leben wie im Geschäft.

Es geht darum, einfach mal loszugehen und auf dem Weg zu lernen, statt ewig nachzudenken, zu grübeln und nie zu starten.

Ruths Antwort darauf: "Das finde ich super. Das gefällt mir. Das werde ich machen."

Musst Du das Rad neu erfinden?

An dieser Stelle kam von Ruth eine Frage, die ich sehr oft höre.

Sie ist fasziniert von einem bestimmten Buch, in dem es ebenfalls ums Leben geht  und sie wollte wissen, ob sie ihr Infoprodukt darauf aufbauen darf.

Meine klare Antwort: absolut.

Versuche bloß nicht, das Rad komplett neu zu erfinden, das ergibt keinen Sinn.

Die meisten Kurse, Produkte und Bücher basieren auf etwas, das schon da ist oder auf einer Erkenntnis, die ein anderer gewonnen hat.

Was Du tust, ist übertragen: auf Dein eigenes Thema und auf Deine eigene Zielgruppe.

Ruth hatte dabei einen wichtigen Einwand. Sie möchte ihr eigenes Wissen nicht "überstülpen" und sich nicht über das Buch stellen, sonst bräuchte sie das Buch ja nicht.

Darum geht es auch nicht.

Du stellst Dich nicht über die Quelle, Du nimmst das, was Dich daran fasziniert, als Basis. Und von dort ausgehend bringst Du Deine eigenen Erfahrungen ein und verknüpfst Dinge miteinander.

Das ist etwas völlig anderes als Abschreiben. Das ist Deine Perspektive auf einem bestehenden Fundament.

Der Idealkunde: Für wen genau arbeitest Du?

Angenommen, Deine Idee steht fest und Du hast Deine Nische, was ist der allererste Schritt?

Du formst einen Idealkunden. Einen Kundenavatar.

Warum?

Ganz einfach: Alles, was in so einem Projekt passiert, ist immer auf einen Idealkunden zugeschnitten, auf genau die eine Person, mit der Du arbeiten möchtest.

Diese Fragen beantwortest Du für ihn oder sie:

  • In welcher Situation steckt diese Person?
  • Welche Probleme hat sie?
  • Wonach sucht sie?
  • Was kauft sie aktuell?

Und dann kommt mein wichtigster Tipp dazu: Du musst ein Bild im Kopf haben.

Druck den Avatar aus. Häng ihn Dir an die Wand. Ab dann arbeitest Du nicht mehr für "Deine Zielgruppe", sondern für diese eine Person.

Wenn diese Person steht, beginnst Du für sie zu arbeiten: Du setzt eine Webseite auf und beginnst, über das Thema zu schreiben.

Sichtbar werden: warum ich Ruth vom Podcast abgeraten habe

Nach außen zu gehen und sichtbar zu werden bedeutet immer eines: Inhalte erstellen.

Das kann auf der eigenen Webseite passieren, zum Beispiel in Form von Blog-Beiträgen, und dabei brauchst Du eine Mischung aus zwei Dingen:

  1. Was Dir auf der Seele brennt. Dinge, die Du für wichtig hältst und von denen Du findest, dass die Leute sie wissen müssen.
  2. Was die Leute tatsächlich suchen. Also recherchieren: Welche Begriffe geben sie ein? Und das dann inhaltlich bedienen.

Ruth wollte an dieser Stelle mit einem Podcast anfangen.

Davon habe ich ihr abgeraten und der Grund ist rein strategisch: Ein Podcast ist keine "Sichtbarkeitsplattform."

Über einen Podcast wirst Du nur schwer sichtbar, weil Podcasts nicht das sind, wonach Menschen suchen. Sie suchen bei Google. Sie suchen auf YouTube. Sie fragen ChatGPT.

Ein Podcast ist etwas für Menschen, die Dich schon kennen. Wenn Du bei null startest, ist es sehr schwer, über diesen Kanal neue Leute auf Dich aufmerksam zu machen.

Deshalb meine Empfehlung: Starte mit Video.

Video ist das Format der Stunde und YouTube ist die zweitgrößte Suchmaschine. Darüber gewinnst Du sehr schnell die ersten Menschen für Deine Sache.

Ruth war sofort dabei: "Video würde mich interessieren."

Shortform oder Longform Videos? Beides, aber in dieser Reihenfolge

Es gibt zwei Videoformate, und sie erfüllen völlig verschiedene Aufgaben.

1. Shortform (Shorts)

  • Format: Hochformat
  • Länge: bis etwa 3 Minuten
  • Untertitel: unbedingt empfohlen
  • Aufgabe: Deinen Namen in die Köpfe Deiner Zielgruppe bekommen.

2. Longform

  • Format: In der Regel Querformat
  • Länge: alles über 3 Minuten
  • Untertitel: nicht nötig
  • Aufgabe: Besucher auf Deine Webseite bekommen

Warum Shorts zwingend Untertitel brauchen: Sehr viele Menschen schauen diese Videos unterwegs am Smartphone und schalten dabei den Ton aus. Ohne Text sind Deine Videos für sie stumm.

Meine Empfehlung: ein Mix aus beidem, aber mit Shortform starten.

Der Grund liegt in den Algorithmen. Die sind inzwischen so gut, dass Du relativ schnell die richtigen Augen auf Deine Videos bekommst.

Das funktioniert allerdings nur mit Volumen. Mit zwei Videos passiert gar nichts. Bei zwanzig bis dreißig Videos versteht der Algorithmus, was Du möchtest, wen Du erreichen willst und welche Botschaft Du hast. Dann werden Deine Videos immer mehr den richtigen Leuten ausgespielt, und Du bekommst Sichtbarkeit und Relevanz.

Sobald Du Abonnenten hast, beginnst Du mit längeren Videos. Die sind für die Nachhaltigkeit, da ein Longform-Video auch in fünf oder zehn Jahren noch von Deinem Publikum gefunden wird. Shorts eher nicht, dafür sind sie zu kurz.

Zwei Dinge, die Du dabei nicht tun solltest:

  1. Zerschneide keine Longform-Videos zu Shorts. Man sieht diesen Videos sofort an, dass sie irgendwo zusammengestöpselt wurden. Das ist nicht gut, und oft ergibt es inhaltlich nicht einmal Sinn.
  2. Verwechsle Deinen Geschmack nicht mit dem Deiner Zielgruppe.

Ruth sagte über Shortform-Videos ganz offen: "Ich finde das schon furchtbar."

Meine Antwort darauf: Ja, Du, aber vielleicht Deine Zielgruppe nicht.

Das gilt übrigens für fast jede Formatentscheidung. Du baust das nicht für Dich.

Wo sehen die Leute dann, wer Du bist?

Eine sehr gute Frage von Ruth. Die Antwort unterscheidet sich je nach Format:

  • Bei Shortform: Du sagst am Ende des Videos: "Folge mir für mehr." Direkte Webseitenbesucher bekommst Du hier so gut wie keine, 99 Prozent schauen diese Videos am Smartphone, im Zug, unterwegs, da klickt niemand auf Deine Webseite. Die Aufgabe von Shorts ist eine andere: Deinen Namen, Dein Thema, Deine Marke und Dein Projekt in die Köpfe der Menschen zu bekommen.
  • Bei Longform: Wenn dieselben Menschen später zu Hause am Rechner sitzen und sich mit dem Thema befassen, kommen die längeren Videos ins Spiel. Dort sagst Du im Video: "Besuche meine Webseite", und Du hinterlegst den Link in der Videobeschreibung. Da kommen die Besucher her.

Technisch brauchst Du für Videos weniger als Du denkst.

Es müssen keine Hochglanzvideos sein. Die Menschen wollen authentische Videos, so, wie wir beide im Gespräch. Kein inszenierter Hintergrund, keine aufwendige Kulisse in der Natur.

Die Leute wollen die Nachbarin hören.

Ein Handy reicht! Du musst nur wissen, wie Du es positionierst. Und das bekommt wirklich jeder hin.

70 Prozent sind gut genug

Ruth hat im Gespräch etwas über sich gesagt, das Dir vermutlich bekannt vorkommt, wenn Du bis hierher gelesen hast: "Ich bin ein bisschen Perfektionistin. Darum dauert es auch so lange, bis ich überhaupt mal sichtbar werde."

Das ist der eigentliche Grund, warum viele Projekte nie starten. Nicht fehlendes Wissen. Nicht fehlende Technik. Perfektionismus.

Meine Faustregel dazu: Wenn ein Ergebnis zu 70, 80 Prozent gut ist, dann ist es gut genug.

Hundert Prozent wirst Du nie erreichen und Du brauchst sie auch gar nicht.

Das musst Du über die Zeit ablegen. Bei den ersten Videos wird es Dir wehtun. Beim zwanzigsten nicht mehr.

Eine Webseite = eine Nische = eine Zielgruppe

Ruth hat bereits eine Webseite, allerdings für ihre Offline-Arbeit als Hypnosetherapeutin.

Ihre Frage: Kann das dieselbe sein?

Nur, wenn es dasselbe Thema ist.

Und damit sind wir bei einer Regel, die ich für eine der wichtigsten überhaupt halte: Eine Webseite = ein Thema = eine Nische = eine Zielgruppe. In der Regel ein Problem.

Nicht vermischen. Wenn auf der einen Seite Hypnose steht und daneben etwas ganz anderes, funktioniert das nicht, auch dann nicht, wenn beides irgendwie zusammengehört.

Du sollst auf einer Webseite keine Äpfel und Birnen verkaufen. Auch keine Äpfel und Bananen, selbst wenn beides Obst ist. 🙂

Ruth hat diesen Schluss im Gespräch selbst gezogen: Ihre bestehende Praxis-Webseite bleibt, wie sie ist. Für ihr digitales Projekt kommt eine zweite dazu. Genau so ist es richtig und es war ihr auch von sich aus wichtig, mehrere Webseiten betreiben zu können.

Landingpage oder Markenwebseite? Der Unterschied

Hier gab es im Gespräch ein Missverständnis, das ich sehr häufig erlebe, deshalb sauber getrennt:

Die Landingpage

Eine Landingpage ist eine einzelne Seite mit einem einzigen Ziel. Der Name sagt es: Da landen die Leute.

Das Ziel ist immer genau eines von diesen dreien:

  1. Die Leute sollen etwas kaufen (ein Produkt, eine Dienstleistung).
  2. Die Leute sollen Dir eine Nachricht schicken, zum Beispiel über ein Kontaktformular.
  3. Die Leute sollen sich in Deinen E-Mail-Verteiler eintragen.

Sie kann lang sein oder kurz. Aber sie ist kein kompletter Webauftritt mit Unterseiten.

Die Markenwebseite

Wenn Du Dir ein langfristig erfolgreiches Projekt aufbauen möchtest, brauchst Du mehr: eine Webseite mit Landingpage-Elementen und einem Blog-Bereich. Das ist ein Brandprojekt. Eine Marke.

So ist meine eigene Seite aufgebaut, und ich habe sie Ruth im Gespräch Schritt für Schritt gezeigt:

  • Startseite mit einer klaren Aussage, worum es geht.
  • Erste Handlungsaufforderung: Trag Dich ein, wenn Du das haben möchtest → E-Mail-Verteiler.
  • Trust-Elemente: Kundenbewertungen.
  • "Das ist mein Geschäft, das mache ich" — bei mir auf vier Säulen aufgebaut.
  • "Neu hier?" — eine Seite, die aktiv aussortiert: In diesem Fall passen wir zusammen, in allen anderen Fällen nicht.
  • Über mich.
  • Downloads — Freebies, über die ich Menschen in den E-Mail-Verteiler bekomme.
  • Blog-Bereich.
  • Tools, Programme, Case Studies, 1:1-Mentoring.

Warum eine einzelne Seite nicht reicht

Das ist der Punkt, den Du wirklich verstehen solltest.

Eine einzelne Seite mit ein paar Infos über Dich und einem Angebot — eine Seite ohne Menü oben — bedeutet: Du bist organisch unsichtbar.

Niemand stößt irgendwo auf Deine Webseite. Weder Suchmaschinen noch KI-Tools werden sie empfehlen, weil sie schlicht zu dünn ist. Zu wenig Substanz.

Deshalb sind Blog-Artikel so wertvoll. Sie sorgen für drei Dinge gleichzeitig:

  1. Du tauchst in der Google-Suche auf. Menschen suchen nach Themen, und Google empfiehlt Deine Artikel.
  2. Du wirst von KI-Tools zitiert. Das ist inzwischen mindestens genauso wichtig.
  3. Du bekommst Relevanz in Deinem Bereich und in Deiner Nische.

Genau deshalb liest Du diesen Text hier gerade. 🙂

"Darf ich das überhaupt?" — KI als Sparringspartner

Ruth hatte schon einmal mit KI gearbeitet. Sie hat das Thema "Selbstwert" eingegeben, und die KI hat ihr daraufhin einen Kundenavatar zusammengestellt.

Ihre Reaktion: Sie war begeistert. Die KI hat weitergefragt, die Kommunikation war richtig gut.

Und dann kam der Gedanke, der sie ausgebremst hat: "Aber das darf ich ja nicht machen, oder? Es ist ja für mich, wie andere Ideen zu klauen und weiterzugeben."

Doch. Natürlich darfst Du das.

Ich empfehle Dir sogar ausdrücklich, KI als Sparringspartner zu verwenden. Gerade die Zielgruppenrecherche geht damit wesentlich schneller.

Aber es gibt eine Bedingung, und die ist nicht verhandelbar: DU bist die letzte Instanz.

Hinterfrage grundsätzlich alles, was die KI Dir liefert, es ist eine Maschine. Lies jedes Ergebnis noch einmal durch und stell Dir drei Fragen:

  • Kann das so stimmen?
  • Fühle ich mich damit wohl?
  • Bin ich das — passt das zu mir?

Du als Person bist die wichtigste Komponente. Die KI liefert Ideen und Vorlagen. Den Rest machst Du.

Ein Praxistipp zum Prompten: Input ist gleich Output.

Je mehr Du der KI über Dich erzählst — über Dein Vorhaben, Deine Persönlichkeit, wie Du tickst —, desto besser wird das, was zurückkommt.

Ein Beispiel, wie so ein Auftrag aussehen kann: "Meine Nische ist X. Recherchiere im Internet, wo bei dieser Zielgruppe die Schmerzpunkte liegen. Erstelle mir darauf basierend einen Kundenavatar, mit dem ich mein Projekt aufbauen kann."

Oder für den Projektnamen: "Ich bin auf der Suche nach einem Namen für mein Projekt. Hier ist mein Hintergrund … Gib mir zehn Vorschläge, die zu mir passen."

Musst Du dafür bezahlen?

Nein, jedenfalls nicht sofort.

Die Basisversionen von ChatGPT und Claude sind kostenlos. Damit kommst Du in der Regel schon recht weit. Ich selbst nutze aktuell vor allem Claude — was Texte und Ideenfindung betrifft, ist es für mich persönlich derzeit das bessere Werkzeug.

Mein Vorgehen wäre: Starte kostenlos. Wenn Du merkst, dass Du ständig an ein Limit stößt oder dass die Ergebnisse Dir nicht tief genug gehen, buch das Abo für rund 20 Dollar im Monat. Lass es zwei, drei Monate laufen, nutze es intensiv und stufe danach wieder auf die kostenlose Version zurück. Kündigen kannst Du jederzeit.

Und musst Du KI-Nutzung kennzeichnen?

Auch das hat Ruth gefragt, und die Antwort ist klar:

Wenn Du selbst vor der Kamera stehst und selbst sprichst: nein. Dass Dir ein Tool bei der Ideenfindung oder beim Skript geholfen hat, ist nicht kennzeichnungspflichtig, das Video machst ja Du.

Kennzeichnen musst Du, wenn ein KI-Avatar spricht, also nicht Du, sondern eine fiktive Person.

Und noch etwas Wichtiges zu KI-Skripten: Passe sie immer an Deinen Stil an. Du bekommst eine Version 1.0 — sagen wir, zwanzig Ideen. Die schaust Du Dir an und würzt sie mit Dir. Jeder hat seine eigene Tonalität — und genau die willst Du wiedergeben.

Ruth möchte von Anfang an frei sprechen lernen, weil man es sonst nie lernt. Das ist der bessere Weg, da war ich sofort bei ihr. Zum Üben ist es trotzdem gut, die ersten paar Videos per Teleprompter einzusprechen, um ein Gefühl dafür zu bekommen.

Kauf nicht den nächsten Kurs

Es gab eine Stelle im Gespräch, an der Ruth sehr deutlich wurde. Und ich fand diese Stelle großartig: "Ich kaufe nur, wenn ich muss. Ich möchte nicht kaufen, kaufen, kaufen und nichts machen. Ich war schon an einem anderen Ort, und da kam immer noch mehr und noch mehr. Ich habe alles gekauft und dann habe ich gedacht: Nein, ich will nichts mehr."

Da kann ich nur zustimmen.

Und mehr noch: Das ist genau die richtige Haltung.

Kauf eine Sache und zieh diese Sache durch.

Wenn Du das gemacht hast, kannst Du schauen, was Du noch brauchst.

Denn die meisten Menschen machen es genau umgekehrt: Sie kaufen zehn Kurse und machen keinen einzigen zu Ende. Die Zeit dafür hat schlicht niemand.

Ruth hatte sich im Gespräch nach meinem Video-Programm erkundigt und wollte wissen, was es kostet. Meine Antwort war kein Nein, aber ein klares "Warte damit".

Sie hat mein A-Z Infoprodukt-System bereits gekauft und begonnen, steckt aber noch ganz am Anfang, weil sie eben noch die Nische sucht.

Kauf Dir nichts dazu, bevor die Nische nicht sitzt und bevor Du nicht begonnen hast, Deine Webseite aufzubauen.

Das sind die nächsten Aufgaben. Alles andere kommt danach.

Ruths konkreter Fahrplan

Das ist die Reihenfolge, auf die wir uns am Ende geeinigt haben. Und genau das kannst Du auch machen:

  1. Nische festlegen. Drei Nischen auf den Zettel, eine davon nehmen. Fertig ist die Entscheidung.
  2. Zielgruppenrecherche mit KI. Wo liegen die Schmerzpunkte dieser Menschen?
  3. Idealkunden erstellen, mit Bild. Ausdrucken. An die Wand hängen.
  4. Projektnamen finden. Auch hier ist KI ein guter Sparringspartner: "Gib mir zehn Vorschläge, die zu mir passen."
  5. Domain registrieren. Ein Webhoster ist meist schon vorhanden, wenn Du bereits eine Webseite hast.
  6. Webseite aufbauen. Markenwebseite mit Blog-Bereich, nicht nur eine einzelne Seite. Genau das ist im A-Z-Infoprodukt-System Schritt für Schritt abgebildet.
  7. Zahlungsabwicklung einrichten. Ruth ist bei Digistore24 schon angemeldet, hat aber noch nicht damit gearbeitet. Das ist völlig in Ordnung — dieser Schritt kommt erst, wenn es etwas zu verkaufen gibt.
  8. Sichtbar werden. Blog-Artikel schreiben, mit Shortform-Videos starten, später Longform ergänzen.

Und dann gilt der wichtigste Satz von allen: Geh Schritt für Schritt. Du musst nicht heute wissen, wie Schritt acht funktioniert. Du musst heute Schritt eins machen.

Fazit

Ruth hatte alles, was man braucht: seit 2011 eine eigene Praxis und damit Erfahrung mit echten Menschen, tiefes Wissen, ein Herzensthema und mehrere gute Ideen auf dem Zettel.

Was ihr fehlte, war nicht mehr Wissen. Es war eine Entscheidung.

Genau da stecken die meisten fest. Nicht am Anfang, sondern kurz davor.

Die drei Fragen bringen Dich da raus:

  1. Welches Problem löst Du?
  2. Für welche Gruppe von Menschen genau?
  3. Welcher Wunsch oder welche Situation steht dahinter?

Wenn Du das in einem Satz sagen kannst, hast Du Deine Nische. Und wenn dieser Satz gleichzeitig Menschen aussortiert, hast Du eine gute.

Aber selbst die beste Nische bringt Dir nichts, solange Du auf das Gefühl wartest, jetzt endlich bereit zu sein.

Dieses Gefühl kommt nicht. Es kommt erst, wenn Du unterwegs bist.

Also: Drei Nischen auf den Zettel. Eine nehmen. Loslegen. In sechs Monaten schaust Du, ob Du noch auf Kurs bist. 🙂

Wenn Du wissen möchtest, wie so ein Aufbau konkret aussieht, findest Du in meiner ausführlichen Anleitung zum Online-Business aufbauen den kompletten Weg.

Und wenn Du bei der Ideenfindung noch Starthilfe brauchst: In den 77 Business-Ideen und im Beitrag zu Online-Business-Ideen findest Du reichlich Material zum Durchstöbern.

PS: Ihr Schlusssatz war übrigens: "Dann glaube ich, weiß ich auch mal alles für das Erste."

Genau so soll ein Beratungsgespräch enden, oder? 🙂

Ruth hat sich am Ende vorgenommen, sich jetzt zu entscheiden und einfach zu beginnen. Nicht für die perfekte Nische — für eine. Genau das ist der Punkt, an dem es losgeht.

Häufige Fragen und meine Antworten

Wie finde ich meine Nische?

In drei Schritten.

  1. Reflektiere Dein Leben und schreib, ohne zu bewerten, alles auf, was Du gemacht hast, wo Du selbst Lösungen gefunden hast und wobei andere Dich um Rat fragen.
  2. Spitze Dein großes Thema zu, indem Du ein konkretes Problem, eine konkrete Personengruppe und einen konkreten Wunsch oder eine Situation bestimmst.
  3. Entscheide Dich für eine von drei Nischen und starte.

Woran erkenne ich, dass meine Nische eng genug ist?

Daran, dass Du sie in einem einzigen Satz sagen kannst und dieser Satz gleichzeitig Menschen aussortiert. Ein Beispiel für eine gute Nische: "Ich helfe männlichen Unternehmern, ihren Bauch loszuwerden."

Drei Filter — Beruf, Geschlecht, Ziel — in einem Satz. Jeder erkennt in Sekunden, ob er gemeint ist.

Ist es schlecht, wenn es zu meinem Thema schon Anbieter gibt?

Nein, im Gegenteil. Vorhandene Anbieter, Bücher und Kurse beweisen, dass Menschen für das Thema Geld ausgeben. Wer beim Recherchieren denkt "da bin ich ja zu wenig gut", verwechselt Marktrecherche mit Selbstbewertung. Du recherchierst den Markt, nicht Dich.

Muss ich Expertin oder Experte sein, um ein Infoprodukt zu erstellen?

Nein. Es reicht, wenn Du Deiner Zielgruppe ein paar Schritte voraus bist. Wer nur zwei Schritte weiter ist, erinnert sich noch daran, wie sich der erste Schritt angefühlt hat und kann ihn deshalb oft besser erklären als jemand mit dreißig Jahren Abstand.

Wie lange soll ich warten, bis ich mir bei meiner Nische sicher bin?

Gar nicht. Ein hundertprozentiges Sicherheitsgefühl stellt sich nie ein. Schreib drei Nischen auf einen Zettel, entscheide Dich für eine und starte.

Nach einem halben Jahr reflektierst Du, ob Du noch auf Kurs bist oder abbiegen möchtest. Die entscheidenden Erkenntnisse bekommst Du im Prozess, nicht davor.

Darf ich mein Infoprodukt auf einem fremden Buch oder Konzept aufbauen?

Ja. Die meisten Kurse, Produkte und Bücher basieren auf etwas, das schon existiert, oder auf einer Erkenntnis, die jemand anderes gewonnen hat.

Entscheidend ist die Übertragung: Du nimmst das, was Dich fasziniert, als Basis und bringst Deine eigenen Erfahrungen und Verknüpfungen ein.

Soll ich mit einem Podcast oder mit Video starten?

Mit Video. Ein Podcast ist keine Sichtbarkeitsplattform, Menschen suchen bei Google, auf YouTube und in KI-Tools, aber nicht in Podcast-Verzeichnissen.

Podcasts funktionieren gut für Menschen, die Dich bereits kennen. Wenn Du bei null startest, ist YouTube der deutlich schnellere Weg.

Shortform oder Longform: Womit soll ich anfangen?

Mit Shortform, dann Longform ergänzen. Shorts bringen Dich über den Algorithmus schnell vor die richtigen Augen, brauchen dafür aber Volumen — zwanzig bis dreißig Videos, nicht zwei. Longform-Videos sind für die Nachhaltigkeit da und werden auch nach Jahren noch gefunden. Zerschneide dabei keine langen Videos zu Shorts — das sieht man sofort.

Brauche ich eine teure Videoausrüstung?

Nein. Ein Smartphone reicht. Die Menschen wollen keine Hochglanzvideos, sondern authentische — sie wollen im übertragenen Sinne die Nachbarin hören. Ein inszenierter Hintergrund ist nicht nötig.

Kann ich mein Online-Projekt auf meiner bestehenden Webseite aufbauen?

Nur, wenn es dasselbe Thema und dieselbe Zielgruppe ist. Die Regel lautet: eine Webseite, ein Thema, eine Nische, eine Zielgruppe, in der Regel ein Problem. Verschiedene Themen auf einer Seite funktionieren nicht.

Was ist der Unterschied zwischen einer Landingpage und einer Webseite?

Eine Landingpage ist eine einzelne Seite mit genau einem Ziel: kaufen, Kontakt aufnehmen oder in den E-Mail-Verteiler eintragen.

Eine Markenwebseite ist ein kompletter Auftritt mit Startseite, "Über mich"-Seite, Downloads und vor allem einem Blog-Bereich. Für ein langfristiges Projekt brauchst Du Letzteres.

Reicht eine einzelne Seite mit ein paar Infos und einem Angebot?

Nein. Damit bist Du organisch unsichtbar! Weder Suchmaschinen noch KI-Tools werden Dich empfehlen, weil die Seite inhaltlich zu dünn ist. Regelmäßige Blog-Artikel sorgen dagegen für Sichtbarkeit in der Google-Suche, für Zitate in KI-Tools und für Relevanz in Deiner Nische.

Darf ich KI für mein Online-Business nutzen?

Ja. Nutze KI als Sparringspartner, gerade bei der Zielgruppenrecherche geht es damit wesentlich schneller. Wichtig ist nur, dass Du die letzte Instanz bleibst: Hinterfrage jedes Ergebnis und prüfe, ob es stimmt, ob Du Dich damit wohlfühlst und ob es zu Dir passt.

Muss ich kennzeichnen, dass ich KI verwende?

Wenn Du selbst vor der Kamera stehst und selbst sprichst, nicht. Dass ein Tool beim Skript oder bei der Ideenfindung geholfen hat, ist nicht kennzeichnungspflichtig. Kennzeichnen musst Du, wenn ein KI-Avatar spricht, also eine fiktive Person statt Dir.

Was kostet die Nutzung von KI-Tools?

Die Basisversionen von ChatGPT und Claude sind aktuell kostenlos und reichen für den Einstieg meist aus. Wenn Du regelmäßig an Limits stößt oder mehr Tiefe brauchst, kostet die erste kostenpflichtige Stufe rund 20 Dollar im Monat. Du kannst sie zwei bis drei Monate intensiv nutzen und danach jederzeit wieder auf die kostenlose Version zurückstufen.

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Über den Autor

Christian Költringer

Ich bin Christian Költringer, Gründer von 365digital.de und seit 2008 im Online-Business aktiv. Was 2008 als Nebenprojekt begann, ist seit 2016 mein Hauptberuf, als selbständiger Online-Unternehmer mit Sitz in Salzburg, Österreich.

Ich erstelle und vermarkte digitale Produkte: Online-Kurse, E-Books, Mitgliedschaften. Meine Leser sind meist zwischen 45 und 65 Jahre alt. Menschen, die ein stabiles Online-Einkommen aufbauen wollen, ohne auf Versprechen hereinzufallen, die nie gehalten werden. Ich glaube, dass Online-Business Spaß machen darf und dass die meisten Gurus mehr versprechen, als sie halten können.

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